16. KAP.
Chatsworth
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Zeit erinnert die Achsenentfaltung vor der Südfront des Hauses nach einem kanal-artigen Wasserbassin als Abschluß. Freilich rückt das starke Vorherrschen der breitenKieswege und weiten Rasenflächen diese Anlage doch wieder von dem französischenStil ab. Die alte, einst vielgepriesene Kaskade hat Paxton an ihrer alten Stelle gelassenund erneuert, auch Wasserwerke, die er sonst noch vorfand, wie die weinende Weide,nach Möglichkeit wiederhergestellt. Der ganze Stil liegt durchaus nicht dem englischenGarten fern, wie er nach der Restauration in England unter französischem Einflußherrschte, wenn auch seine Bepflanzung, namentlich in dem westlich liegenden Parterre,ihm einen modernen Charakter verleiht. Paxton war in erster Linie ein überaus klarerKopf, der schnell und praktisch seine Ziele sicher zu erreichen wußte, und diese persön-liche Eigenart spricht sich in seiner Gartenschöpfung aus. Am meisten aber zeigt er seinKönnen in dem damals viel angestaunten Wunder seiner Zeit, dem großen Palmenhause,das er 1836 begann und 1840 vollendete. Durch die Erfindung der Eisenkonstruktionin Verbindung mit Glas war es jetzt erst möglich, sehr hohe Tropenbäume mit dernötigen Wärme und Licht zuversehen. Große Palmen, Baum-farne und andere tropische Ge- rwachse konnte man nun auch inden nordischen Gegenden kulti-vieren und sich hier im tiefenWinter einen Garten der heißenZone herzaubern. Das Glashaus,das Paxton dem Herzog vonDevonshire erbaute, ist nahezu3000 Fuß lang, 123 breit und er-reicht eine Höhe von 67 (Abb. 614).Die klare, durchsichtig für sichselbst sprechende Konstruktion,samt der vortrefflich angelegten Heizung, begeisterte die Zeitgenossen ebenso wie dieSchönheit des tropischen Gartens, den das Innere barg. Wir werden sehen, wie ge-rade das Motiv des Palmengartens sich weiter fruchtbar gestaltete. Paxtons Gebäudewar nicht nur das Vorbild einer großen Zahl anderer Gewächshäuser, sondern hat ihmselbst wieder als Muster gedient, als man ihm 1850 nach 233 zurückgewiesenen Plänenden Palast der ersten großen Weltausstellung übertrug. Auch das Werk, durch das ersich seinen bedeutenden Namen machte, der Kristallpalast zu Sydenham, ist ein weite-res Entwicklungsglied in der Reihe dieser seiner Bauten und Gartenanlagen. Paxton,schon nach seinem Ausstellungsbau zum Ritter geschlagen, starb hochgeehrt als einpersönlicher Freund des Herzogs, dessen Dienste er als einfacher Gärtner angetretenhatte. Nach Paxtons Vorbild entstanden nun überall die großen Glashäuser mit ihrenTropengärten, das Glashaus von Kewgarden erlangte bald europäischen Ruf. Die Leich-tigkeit, diese fremden Gewächse nun unmittelbar in ihrem Wachstum und ihren Lebens-bedingungen zu studieren, machte die Gärtner immer kühner, nicht nur diese Pflanzenzu dekorativen Zwecken im Garten im Sommer auszupflanzen — das Teppichbeet wiedas Parterre erhielten dadurch eine neue Note — sondern auch ihre Zucht im freienLande zu versuchen. Englands Klima kam solchen Versuchen günstig entgegen. Einige
Abb. 614
Chatsworth,
Glashaus
Nach Latham