16. KAP.
Der ,,italian gar den" in England
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daß z. B. von den heute schier unübersehbaren Spielarten unserer Rosen fast alle erst demXIX. Jahrhundert zu danken sind. Bald waren es neben den gelehrten Gesellschaftenauch die großen Handelsfirmen, die einen gewaltigen Ansporn für die Einführung neuerPflanzen gaben. Sie sandten ihre eigenen Forscher aus, um Neuheiten auf der ganzenbewohnten Erde aufzuspüren; haben doch manche Firmen, wie Sanders in St. Albansund die Villmorins in Paris, bis 20 Sammler, über alle Länder zerstreut, gleichzeitig inihren Diensten gehabt.
Natürlich wollte man sich an den Pflanzen, die man im Winter und Frühling gepflegtund geschützt hatte, im Sommer auch in seinem Garten erfreuen. Ihren herrlichstenEffekt entfalten diese Blüten, wenn sie in großen Massen zusammengepflanzt werden.Es war nicht ganz leicht, im nordischen Naturgarten diesen Effekt, der ihm so fremd war,zu erreichen, und unorganisch und ungeschickt war auch der Weg, den man anfangs ein-schlug. Die Anlage der Teppichbeete, deren Einführung in Deutschland durch Pücklerschon erwähnt wurde, muß man als erste Stufe der erneuten Zuneigung des malerischenGartens zur Blumenkultur ansehen; sie wurden je nach der Jahreszeit mit verschiedenenBlumen, untermischt mit buntblättrigen Blattpflanzen, angefüllt. Leider hat geradediese Unform in den Durchschnittsgärten gedankenloser Handwerksarbeit ihr Leben bisin unsere Tage gefristet. England sah aber doch früher als andere Länder den Un-geschmack dieser Anlagen ein, die durch ihre Vereinzelung und Zerstücktheit nicht ein-mal den Effekt großer Massenwirkung an Farbe hervorzubringen vermochten. Ein paarKünstler machten von verschiedenen Seiten her die ersten Reformversuche im Garten,die alle den Zweck hatten, den jedes Jahr in kaum mehr übersehbarer Fülle zuströmen-den Blumen im Garten wieder ein würdigeres Unterkommen zu schaffen.
In den vierziger und fünfziger Jahren des XIX. Jahrhunders hatten sich die Blicke be-sonders der englischen Architekten wieder einmal auf Italien gerichtet. Wir haben mehr-mals im Laufe des XVIII. J ahrhunderts das merkwürdige Schauspiel erlebt, daß die Gär-ten dieses Landes selbst in Zeiten größter Entfremdung von ihrem Stile befruchtend aufdie neuen Ideen Englands gewirkt hatten. So hatten sich Addison, Kent, Chambers aufihren Reisen in Italien für ihre Reformversuche im Garten der Heimat gestärkt. Undnun, während Italien selbst von dem lebhaften Wunsche beseelt war, möglichst viel vondem nordischen Stile aufzunehmen, sollte seine unverwüstliche Kunst wieder nach derentgegengesetzten Seite wirken. Der englische Architekt Sir Charles Barry war als jungerMensch viel im Süden, besonders in Italien, gereist; als er in die Heimat zurückkehrte,brachte er dorthin einen etwas historisch zurechtgemachten Idealstil italienischer Kunstmit, den er an einer ganzen Reihe englischer Landsitze, teils bei Neuanlagen, teils beiUmbauten, anwandte. Vor allem aber mochte er die in England noch verbreiteten Teppich-beete mit den Parterres italienischer Gärten, die er noch überall in Blüte fand, vergleichen;dort mußte ihm der Gedanke kommen, wie viel besser sich diese zur schönen Entfaltungder neuen Flora eigneten. Die Bauten Sir Charles zeigen, wenn sie sich überhaupt an be-stimmte Vorbilder anlehnen, noch die größte Ähnlichkeit mit den römischen Vorstadt-villen, wie Villa Borghese und Villa Doria Pamfili; am ehesten wird man an das Parterredieser letzten Villa erinnert, wenn man in die „italiangardens" der englischen Landsitzegeführt wird. Fast alle wurden in den Jahren 1840—60 angelegt. Es war der erste Ein-bruch, den der regelmäßige Garten in der Praxis wieder in den Landschaftsgartenmachte, merkwürdigerweise nicht in feindlichem Sinne. Es war wirklich nur ein Einbruch;
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