16. KAP.
Der Solitärbaum
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auf der Höhe, auch die Fuchsien, lange gesucht, wurden in der ersten Hälfte des Jahr-hunderts eingeführt und zu erstaunlicher Farbenpracht entwickelt. Gegen die Mitte desJahrhunderts kamen dann die Orchideen und die nicht mehr übersehbare Fülle derWarmhauspflanzen dazu.
Neben Chelseagarden, und diesen bald überwachsend, erlangte Kewgarden damalseuropäischen Ruf. Er war um 1760 von der Mutter Georgs III. gegründet worden; seineäußere Gestalt verdankte er, wie wir sahen, zum großen Teil William Chambers; schon1789 zählte ein Pflanzenkalender zwischen 5—6000 Arten, die dort wuchsen, bei derzweiten Ausgabe, 1810—1813 publiziert, waren sie auf 11 000 angewachsen. Der NameCharles Darwin ist eng mit der Weiterentwicklung dieses Gartens verknüpft, den schonsein Großvater Erasmus in seinem Lehrgedicht „The Botanical Garden" besungen hatte.Im Jahre 1839 wurde dann in London die Botanische Gesellschaft gegründet, die allestat, um dem Forscher das Studium der wissenschaftlichen Botanik zu erleichtern. DerEinfluß, den dieses enorme Wachstum des Pflanzenmaterials einerseits und der wissen-schaftlichen Botanik und Pflanzengeographie andererseits auf den Garten haben mußte,sollte sich bald zeigen.
Die sentimentale Periode, das Schaffen von Stimmungsbildern, hatte sich ausgelebt,das Dichten oder Philosophieren im Garten, wonach man ihn „einer Idee" unter-stellte, um ihm die rechte Einheit zu geben, was um die Wende des Jahrhundertsbesonders deutsche Theoretiker anempfohlen hatten, artete sofort überall aus. So tratdenn mehr und mehr eine Ermüdung an all dem Spielwerk ein. „La nature finissaitpar triompher de tout cet ammeublement baroque" 33 , sagt Alphand in den siebzigerJahren. In diese Leere sprang nun das botanische Interesse hinein. Der Gartenkünstlerwar mehr und mehr auf das Pflanzenmaterial allein angewiesen, und wenn er einiger-maßen die verwirrende Fülle, die ihm zur Auswahl geboten, und in jedem Jahrewachsend geboten wurde, übersehen wollte, so mußte die Botanik sein vornehmstesStudium werden. So geriet der Garten allmählich ausschließlich in die Hände derGärtner, den Architekten schien er ganz zu entschlüpfen. Man versenkte sich in dasStudium der Lebensbedingungen der Pflanzen, besonders der Bäume und Sträucher, undwar stolz darauf, „daß jeder Baum, jede Pflanze den Platz eingenommen habe, den ihrdie Natur zugewiesen hat, die einen auf den Gipfeln, die andern in den Tälern, diese imSchatten, jene unter den Wiesen in der Sonne, andere am Wasserrande" 4 . Das war dieZeit, in der recht eigentlich erst der Solitärbaum in den Mittelpunkt des ganzen Bildestritt, wie wir das am deutlichsten in den Anlagen des Fürsten Pückler sehen (Abb. 608).Etwas später erwachte mit dem glücklichen Überfluß an neuen Koniferen die Lust, Koni-ferenwäldchen, Pineta, anzupflanzen, die heute besonders in England oft zu herrlicherSchönheit herangewachsen sind, wo man es verstanden hat, die anfänglich viel zu großeDichtigkeit richtig zu lockern; denn man hatte noch keine Ahnung oder kein Vertrauen,daß Englands Boden den tropischen Riesen die Nahrung geben könnte, die sie zu ihremvollen Wüchse brauchten. Diese Pineta — das erste in England wurde 1843 in Kewgardengepflanzt — waren ein Zeichen des erneuten Einflusses von Italien, dessen gleich ge-dacht werden soll. Freilich waren diese neuen Pineta denen der italienischen Renais-sance, wo die dunklen, gleichmäßig gestellten Pinienbäume wie Säulen ein lichtes grünesDach trugen, ganz unähnlich — aber Italien selbst hatte sich ja umgewandelt, und umdiese Zeit wurde auch in der Villa Doria Pamfili das neue, malerisch gruppierte Pinetum
27 Gothein, Gartenkunst II