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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Einführung der ausländischen Bäume in England

16. KAP.

an solch einem Baum nahm, war noch nicht groß, der Baum sollte eine Empfindungaussprechen, etwas dem Beschauer sagen. Der verständige Kasimir Medicus, der im Jahre1782 in seinenBeiträgen zur schönen Gartenkunst" wie ein getreuer Eckart vor der Zer-störung der alten Gärten warnt, schaut jedoch auch mit einer gewissen Besorgnis auf daszu starke Eindringen des botanischen Interesses. Er meint, das lobenswerte Einführen aus-ländischer Bäume habe mit der Anlegung einesenglischen Waldes" an sich nichts zutun, dies gehe nur den Botaniker an. Der Gartenkünstler müsse den Baum mit den Au-gen eines Landschaftsmalers und dem Geiste eines Dichters studieren: Die Platane istihm der Baum des Nachdenkens, des Weisen, das jährliche Schälen der Rinde ein Vor-bild, wie der Weise seine Vorurteile abstreife, der Ahorn der Baum geselliger Fröhlich-keit, die babylonische Weide der Baum der Wehmut und Trauer 2 .

Die ganze botanische Bewegung des XVIII. Jahrhunderts war eben nur ein langsamwachsendes Vorspiel zu der gewaltigen Symphonie, die die Pflanzenakklimatisation desXIX. Jahrhunderts vor uns aufführen sollte. Allen voraus ging hier England. In dembotanischen Garten von Chelsea, den die Apothekergesellschaft unterhielt, hatte manschon 1683 den ersten Versuch gemacht, die Zeder vom Libanon zu akklimatisieren.Zum größten Erstaunen sah sie Sir Hans Sloane im nächsten Jahre, durch Stecklinge ge-pflanzt, lustig im englischen Boden ohne Schutz eines Gewächshauses wachsen 23 , Manhätte damals nicht ahnen können, daß die Zeder im XIX. Jahrhundert den Eindruckder englischen Gärten fast bestimmen würde. Von der Einführung der amerikanischenGehölze während des XVIII. Jahrhunderts war schon früher die Rede. Zuerst waren esmeist einzelne Reisende und Gelehrte gewesen, die alle gemäßigten und gebirgigen Län-der, besonders Amerika, nach Bäumen und Büschen durchforschten. Die amerikanischeEiche, eine Reihe von Nadelhölzern, Pappeln, Magnolien und die sogenannte Akazie, umnur einige der bekanntesten zu nennen, wurden damals in die Gärten eingeführt. Einengroßen Schritt vorwärts tat man durch die Gründung der Horticultural Society in Lon-don im Jahre 1809 durch George Johnson, der ein großer Kenner der Pflanzen war undspäter auch eine Geschichte des englischen Gartenbaus schrieb 3 . Er widmete sein Buchdem damaligen Präsidenten der Gesellschaft, Thomas Andrew Knight, dem jüngerenBruder von Richard Payne Knight, dem Verfasser des früher erwähnten GedichtesDerLandschaftsgarten". Anderswie sein in allem dilettierender Bruder hat dieser durch seinegelehrten, gründlichen botanischen Kenntnisse die Gartengestaltung seiner Zeit sehrgefördert. Die Aufgabe der Hortikulturgesellschaft war, Sammler in alle Weltteile zuschicken, damit die Pflanzen erst in Chelseagarden ausprobiert und in den Abhandlungender Gesellschaft veröffentlicht würden. Einer ihrer Beauftragten war David Douglas, derein besonders glücklicher Entdecker von Koniferen in Amerika war. Er schrieb einst beieiner neuen Sendung an Sir William Hooker, den Direktor von Kewgarden:Sie wer-den beginnen zu denken, daß ich Nadelbäume nach meinem Gefallen herstelle". Da-mals, d. h. vom 3. bis 5. Jahrzehnt, kam zuerst auch die Fülle der chinesischen Pflan-zen, die Glyzinen, Päonien und Chrysanthemen, herüber. Einer der glücklichsten Samm-ler auf diesem Gebiete war Robert Fortune. 1842 sandte er aus China und Japan eineReihe der heute am meisten bekannten Gartenblumen: Anemone j aponica, Diclytra, Ker-ria j aponica, verschiedene Arten von Prunus, Spiräen, Azaleen, Chrysanthemen, Gardenia,Fortunia, Forsythia, Weigelia rosa, Jasminum nudiflorum und Camelia japonica. Dah-lien, schon in den letzten Jahren des letzten Jahrhunderts eingeführt, waren um 1824