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16. KAP.
Das Anwachsen des botanischen Interesses
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N keiner Zeit war der Garten so stark in die Interessensphäre dereigentlichen Literatur gerückt, wie durch die Stilumwälzung desXVIII. Jahrhunderts. Weit über die Kreise der Beteiligten, derGartenkünstler und Gartenbesitzer, erschien er in der zweitenHälfte dieses Jahrhunderts eines der vornehmsten Objekte, umdas Wesen der Kunst überhaupt daran zu studieren. Kein Wun-der, daß allmählich darin eine Reaktion eintreten mußte. Zwar_ hatten die Kunstprinzipien des malerischen Stiles nie eine völligausschließende Herrschaft errungen, so wenig, daß wir bald hier, bald dort theoretischwie praktisch Gegenströmungen auftauchen sahen und sehen werden. Aber sie waren sohäufig und öffentlich erörtert, beleuchtet worden, daß sie ganz in das Bewußtsein desgroßen Publikums eingegangen waren. Dort hatten sie sich, vielleicht in Deutschlandnoch mehr als in England, sicher mehr als in Frankreich, mit um so größerer Aus-schließlichkeit festgesetzt, als durch die immer stärkere Annäherung des malerischenGartens an die umgebende Natur das Auge sich abstumpfte. Es wurde nicht mehr an-geregt durch den starken Gegensatz des alten regelmäßigen Gartens, ja auch des altenromantischen Gartens mit seiner Betonung der Gebäude und seinem Gefühlscharakter;so verlernte man allmählich im Garten, die Kunst überhaupt zu sehen. Die Folge davonmußte ein immer größeres Nachlassen des Interesses für den Garten in der Allgemeinheitsein, das immer schwächer bis gegen das letzte Jahrzehnt des XIX. Jahrhunderts wurde.Goethe beobachtete dieses Nachlassen schon im Jahre 1825, als er Varnhagen von Ensesein Erstaunen über den Umschwung im Garteninteresse aussprach: „Parkanlagen, einst— besonders durch Hirschfelds allgemein verbreitetes Buch — in ganz Deutschlandeifrigstes Bestreben, seien völlig aus der Mode. Man höre und lese nirgends mehr, daßjemand noch krumme Wege anlege, Tränenweiden pflanze, bald würde man die vorhan-denen Prachtgärten wieder zu Kartoffeläckern umreißen" 1 . Diese Befürchtung lag nunzwar noch nicht nahe. Denn solche Massenzerstörungen sind immer nur Folgen eineraktiven Revolution. Aber die Entwicklung, bisher von einem allgemeinen Kunst-interesse sehr gefördert, wurde jetzt von zwei andern mächtigen Strömungen ergriffen:die Wissenschaft und die Demokratie, die beide die Kultur dieses Jahrhunderts beherrschtund gemodelt haben, haben auch die Gartengestaltung auf das stärkste beeinflußt.
Schon in den ersten Stadien des malerischen Gartens war der gewaltige Aufschwung,den die Pflanzenkunde im XVIII. Jahrhundert nahm, ein wichtiger Verbündeter für denletzten Sieg dieses Stiles geworden. Weder der einzelne Baum, noch weniger die Verbin-dung mehrerer zu einer Gruppe oder die farbige Abstufung verschiedenartiger Sträucherkonnten in den starren Formen des französischen Stiles zur Geltung kommen. Die Pflanzehatte dort ihr Recht nur insofern sie Material für bestimmte architektonische Ge-staltung bot, und Fremdlinge nahm der Garten nur auf, wenn sie sich seiner Kunst unter-ordnen konnten. Dies gilt in gleicher Weise von der Blume im Parterre. Akklimatisa-tionsversuche zogen sich daher unter der Herrschaft des regelmäßigen Stiles vorwiegendin die botanischen Gärten zurück. Als man aber begann, den Baum und Strauch in derEinzelschönheit ihres natürlichen Wuchses zu bewundern, da lenkten sich die Blickemehr und mehr jenen Wundern fremder Zonen zu, die erst einzeln, dann immer häufigerReisende und Forscher von ihren Fahrten mitbrachten. Zu Anfang ging das alles nochim langsamen Tempo; das wissenschaftliche pflanzengeographische Interesse, das man