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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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15. KAP.

Wordsworth Walter Scott

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Von der Schere fallen Blätter,Fallen Blüten, welch ein Schmerz!Asmus, unser lieber Vetter,Nennt es puren Schneiderscherz."

Asmus (Matthias Claudius) hatte in der Serenata imWandsbecker Boten" die altenParkanlagen, in denennichts mehr vom großen vollen Herz der tönenden Natur zufinden sei", alspuren Schneiderscherz" verhöhnt 47 .

Zu diesem feindlichen Hin- und Herwogen im eigenen Lager ließen sich bald auchStimmen hören, die dem Landschaftsgarten als Stil mit entschiedener Feindseligkeitgegenübertraten. Aus der englischen Klassizistik war der so oft und mit vielem Rechteals romantisch bezeichnete Gartenstil hervorgegangen; die Romantiker selbst aberwaren nur zum Teil Bewunderer des neuen Stiles, ja der erste ernstliche Angriff solltegerade von der Seite der Romantiker kommen. Unter den Führern der englischen Ro-mantiker steht zwar Wordsworth ganz auf dem Boden dieses von Goethe ästhetisch ge-nannten Stiles. Er ist stolz, daßMaler und Dichter als die Schöpfer der englischen Gar-tenkunst angesehen werden müssen, nun sollen sie auch das bessere Lob für sich erwerben,die Väter eines besseren Geschmacks zu werden", schreibt er an seinen Malerfreund, SirGeorge Beaumont, auf dessen Gut er sich eine Zeitlang aufhält. Dort beschäftigt er sichin seinen Mußestunden mit Gartenanlagen.Was die grounds anbetrifft, sind sie in gutenHänden," ruft er dem Freunde zu,nämlich in denen der Natur." Er stimmt dem Grund-satz von Coleridge bei, daß das Haus und sein Garten zu der Landschaft gehören müsseund nicht die Landschaft ein Anhängsel des Hauses-sei. Darum muß man sich selbstin alles einzelne der Schönheit dieser bestimmten Landschaft versenken, wie es nieLeute von Profession können, sondern nur Dichter und Maler. Hierin sprach Words-worth sein innerstes Wesen aus; und aus seinem eigensten Empfinden ist auch die Ab-neigung gegen solche Anlagen entsprossen,die in ihrer ödigkeit alles Lebendige aus-schließen, wie die Sage es von dem Upasbaum erzählt, der Tod und Verwüstung umsich haucht". Freude aller lebenden Wesen, Menschen, Kinder, Vögel, Tiere, Hügel,Ströme, Bäume und Blumen, alles das muß der Gartendichter in ein zusammenge-höriges Bild verweben* 8 . Aber er warnt auch, eine ganze Landschaftin die Livreeeines Mannes zu stecken"; alles in allem soll die Natur dafür Sorge tragen, daß alles,was der Mensch tut, so geschieht, daß sie es annehmen kann, das ist der Grundsatz, demer immer gefolgt ist. Es ist ein von jeder Sentimentalität gereinigtes Dogma von derNatur, das dieser Dichter vertrat.

Daneben aber trat in die Dichtkunst Englands eine zweite Strömung, die ihre Augenauf die Vergangenheit richtete, und nun zeigte sich auf einmal, daß das Bewußtsein derlebenden Generation den regelmäßigen alten Stil schon als einen Stil der Vorväter empfand.Es war ein Jahrhundert seit der Geburt des malerischen Gartens vergangen, als WalterScotti8i4in seinem Romane,, Waverley" mit der Schilderung des alten Gartens vonTullyVeolan ihm den Fehdehandschuh hinwarf: Der Park besteht aus einigen viereckigen Fel-dern, von Mauern umgrenzt, eine kurze gerade Allee von Roßkastanien und Sykomoren,zu beiden Seiten von dem unteren zum oberen Tore führend, bildet den Zugang. Im Gartensteigen von der Hauptterrasse drei Treppen herab, sie ist mit einer Steinbalustrade,die mit Tiergestalten geschmückt ist, abgeschlossen, und in der Mitte steht ein Bär, dereine Sonnenuhr hält. Der Garten, mit Obstbäumen, Blumen und Immergrün, die in gro-