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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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15. KAP.

Maskeradenlust im Garten

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Feier des Namensfestes der dritten Gemahlin des Kaisers stattgefunden, wobei er undalle Erzherzöge mitkämpften.Im Juli 1841", heißt es weiter,ging es wieder lebhaftauf dem Turnierplatz zu . . . Eine Kunstreitergesellschaft produzierte auf deufgenann-ten Platze ihre Künste unter Anwesenheit des Kaisers und Hofes" 43 . Wie ernsthaft diesesRitterwesen der Zeit galt, zeigt der Bund der Rosenkreuzer, die am preußischen HofeFriedrich Wilhelms IL ihr mystisch freimaurerisches Wesen trieben. Der neue Gartenum das Marmorpalais in Potsdam war ihr bevorzugter Schauplatz. Dort hatten sie ihreVersammlungen in dem kleinen Koniferenhain, wo eine Statue der Kybele als Mutterder Natur mit vielen Brüsten aufgestellt wurde. Allerlei andere Anlagen, wie eine Grotteund Pyramide, erinnern noch heute daran. Dieser Garten, der das Interesse an Sans-souci eine Zeitlang so verdrängte, daß man es seines Schmuckes beraubte, kann in seinerAnlage als ein wahres Musterstück jener Maskeradenlust angesehen werden. Seit langeschon durfte ein Parkgebäude ja niemals von außen verraten, was es eigentlich sei.Nahe dem Schloß, das mit den Marmorsäulen der Rotunde aus Sanssouci erbaut wordenwar, sieht man einen versunkenen Tempel mit allerlei schönen Werkstücken, Kapitellenund Säulen, wenn man aber näher zusieht, ist es eine Küche, die sich darunter birgt. Einägyptisches Bauwerk, mit Sphinxen als Wächter, ist eine Vorsatzdekoration für dieOrangerie, unter einer Pyramide birgt sich ein Eiskeller, fern im Park trifft man instiller Einsamkeit auf eine Einsiedelei: man tritt ein es ist ein luxuriös eingerichtetesBad; weiter ist eine andere Küche als Borkenhäuschen, mit einem eisernen Baumstammals Schornstein, verkleidet. Auch in England gab es einzelne solcher Auswüchse, wennsie dort auch lange nicht so überhandnahmen. Im Park von Windsor wurde ein Heu-wagen gezeigt, in dessen Innerem man ein Zimmer eingerichtet hatte; und diese Ideescheint besonders in Süddeutschland gezündet zu haben: in dem untergegangenenParke Ludwigsburg in Saarbrücken stand mitten auf der Wiese ein Heuwagen, dereinen Speisesaal im Innern barg. Die Hofbeamten mußten sich mit seltsamen Woh-nungen abfinden; der Hofmarschall, der in dem nicht großen fürstlichen Pavillonkeinen Platz fand, wohnte in einer Wohnung im Parke, die als Holzstoß verkleidetwar, ähnlich sinnreiche Anlagen werden auch von dem Parke von Kiarlich im Trier-schen berichtet 44 .

Es wollte nichts nützen, daß Theoretiker und Ästhetiker, welchen Standpunkt sie auchsonst einnahmen, diese Ausschweifungen fortwährend tadelten, daß die Dichter ihrenSpott darüber ausgössen. Schon in der ersten Weimarer Zeit, während die Anlagen inWörlitz Goethe zur Nacheiferung anreizten, wendet dieser sich imTriumph der Empfind-samkeit" auf das schärfste gegen diese Torheiten. In dem höllischen Park bemüht sich

Askalaphus

Um des Cerberus Hundehaus

Und formieren das zu einer Kapelle.

Denn notabene in einem Park

Muß alles ideal sein,

Und salva venia jeden Quark

Wickeln wir in eine schöne Schale ein.

So stecken wir zum Exempel

Einen Schweinestall hinter einen Tempel.

(Zu bemerken ist, daß der versunkene Tempel als Küchenatrappe im Potsdamer Gartenmehr als ein Jahrzehnt später entstand.)