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Wilhelmshöhe
15. KAP.
Wehrgang den Körper nur bis zu den Knien deckte; dagegen mußte, um die Fensterder Burgkapelle zu schmücken, manche Kirche im Lande umher ihre alten Fensterhergeben. Allerlei altes Zierat schmückt auch das Äußere der anderen Teile. Hierbefahl der Landgraf auch einen Garten mit Lorbeer- oder Buchshecken, nach „hol-ländischer Manier" geschoren, herzustellen; aber das hatten die Gärtner damalsschon verlernt, so begnügte man sich mit Rottannenhecken, was auch schnellerging. In die Burg wurde nun ein Vogt und eine Besatzung gelegt, die eine besondersausgesuchte Uniform mit Bärenmützen trug. — Und als nach siebenjährigem Exil
Abb. 604
Wilhelmshöhe
bei Cassel,
Aquädukt,
künstliche
Ruine
Stich vonF. Schroeder
der alte Herr als Kurfürst Wilhelm I. in sein altes Erbe wieder eintrat, das KönigJeröme innegehabt hatte, da war für seinen Willen die Zeit des Exils ein Nichts ge-wesen; er schritt über die Zugbrücke der Löwenburg, die Schloßwache trat vor undmeldete: „Nichts Neues geschehen!" Solche Ritterburgen, in denen man ein ernst-haftes Ritterspiel sich selbst vorspielte, entstanden nun in allen größeren Parks(Abb. 604). Neben der Löwenburg war auch ein mit hölzernen Schranken umgebenerTurnierplatz eingerichtet, den man aber schnell, als man nichts damit anzufangenwußte, wieder bepflanzte. In Laxenburg bei Wien aber, dessen großer, an manchemBilde reicher, schöner Park in dieser Zeit von Kaiser Franz angelegt wurde, liegt nebendem Ritterschloß, das in der Mitte des Sees den Hauptblick festhält, noch heute derTurnierplatz in seiner alten Einrichtung, mit Zugängen und Schranken. Dort hatte, soerzählt mit ernsthafter Naivität ein Führer, ein besonders glänzendes Turnier 1810 zur