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Goethe und der Weimarer Park
U.KAP.
Gärten hatte nun nicht nur Raum geschaffen, sondern die „höchsten Herrschaften,einer bequemen und ihrem Zustande gemäßen Wohnung beraubt,..., wandten sich gegendas Freie" 34 . Gleich nachdem Goethe das Idyll am Luisenkloster, wie die kleine Ein-siedelei genannt wurde, geschaffen hatte, „liebte man an den Ort wiederzukehren. Derjunge Fürst mochte sogar daselbst übernachten, für dessen Bequemlichkeit man diescheinbare Ruine und das simulierte Glockentürmchen einrichtete" 35 . Diese scheinbareRuine war ein alter Schießstand, man baute sie aus Steinen des abgebrannten Schlossesauf 36 . Als darauf auch die Wege dorthin noch nach romantischem Bedürfnis umgestaltetwurden, „die sich durch Felsen schlängeln, bald Gewölbe sind, bald zu lichten Plätzenwerden, und mit ihrem öden, wilden Anblick, hie und da angebrachten Höhlen und Sitzen
Abb. 598
Weimarer
Park 1788,
An der Klause
NachI. M. Kraus
eine Vorstellung von den berühmten Felsengängen der chinesischen Gärten gebenkönnen" 37 , da war das erste Bild eines „ästhetischen" Gartens, wie Goethe mit glück-lichem Ausdruck das Gartenempfinden seiner Zeit bezeichnet, fertig (Abb. 598). So ausdem Bedürfnis heraus, meist durch fröhliche Feste zuerst geweiht, war ein Bild nach demandern entstanden: das Tempelherrnhaus, ursprünglich ein gotisches Teehaus, das römi-sche Haus, eine andere Ruine, Tempel, Denkmäler mit Inschriften usw. Alle einzelnenBilder waren zusammengehalten durch große, mit Bäumen und Büschen umsäumteWiesenblicke, überbrückte Bäche, in weite Ferne sich verlierende Pfade, Veduten mitfernen Kirchtürmen. Ein gänzlicher Mangel des Zusammenhanges mit dem Hause, aufdas man gar keine Rücksicht zu nehmen brauchte, weil es noch nicht vorhanden war,geht hier zusammen mit dem Mangel eines ursprünglichen Gesamtplanes, man ließ sichvon der einzigen Leidenschaft leiten, „die Landschaft zu verschönen, indem man ihrihren eigenen Reiz abgewann" (Abb. 599). So bietet der Weimarer Park in seiner ganzenEntwicklung vielleicht den reinsten Ausdruck des Gartengedankens jener Zeit und ist uns