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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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15. KAP.

Die Wahlverwandtschaften

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darum von doppeltem Werte, weil Goethe diesem Gedanken die schöne Form verliehenhat. Und was er hier gelernt hatte, beschränkt durch die mannigfachen Hindernisse prak-tischer Ausführung, das gab er als durchdachtes Phantasiebild in seinenWahlverwandt-schaften". Das Wesen der Menschen in diesem Roman zeigt sich am reinsten in der Tätig-keit im Garten. Eine eigne Harmonie des Werkes wird durch das Zusammenwirkenbesonders Charlottens und des Hauptmanns hervorgebracht, die einander wunderbarergänzen, hier die vom einzelnen ausgehende, klar und bedächtig denkende Frau,dort der militärisch geschulte, nur die großen Endpunkte ins Auge fassende Mann.Allmählich, wie in Weimar selbst, entstehen die einzelnen Anlagen in Charlottens Park;

Abb 599

Aus demWeimarer Park

Phot.

durch die Vereinigung von drei Teichen wird ein großer Seemittelpunkt geschaffen, dasLusthaus auf der Höhe überschaut ihn, schmale Fußwege, Felstreppen, führen zu be-deutenden Aussichtspunkten. Eifrig werden englische Kupfer studiert, und es ist nichtunwahrscheinlich, daß Goethe Reptons Werk im Auge hatte, wenn er die Bücher auf-schlagen läßt,worin man jedesmal den Grundriß der Gegend und ihre landschaftlicheAnsicht in ihrem rohen Naturzustande gezeichnet sah, so daß man dann auf anderenBlättern die Veränderung vorgestellt fand, welche die Kunst daran vorgenommen, umalles das bestehende Gute zu nutzen und zu steigern" 38 . Neben dieser Schöpfung desneuen Landschaftsgartens aber grünte der alte Schloßgarten mit seinen hohen Linden-alleen und regelmäßigen Anlagen, die die letzte Generation geschaffen, unberührt undunzerstört, aber auch unbeachtet fort, einer neuen fernen Auferstehung harrend, die derDichter wohl schon damals vorausschaute. So bildet diese den Boden verschönernde