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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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15. KAP.

Kleist, Geßner, Gleim

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können, als die Verse, in denen de Lilles die Furcht vor dem Untergange ausspricht.Trotzdem aber sieht er in der Monotonie der alten Gärtenkeinen Gegenstand, würdigeines Gedichtes, die alten Gärten sind die der Architekten, die neuen die der Philo-sophen, Maler und Dichter". Das Programm, das er dann aufstellt, hat keinen irgendwieoriginellen Zug; der malerische Kontrast ist das Leitmotiv:Ahmt Poussin nach," rufter aus,er malt den heiteren Schäfertanz, daneben ein Grab mit der Inschrift: auch ichwar ein Hirte in Arkadien."

(Deutschland hat etwas später, und gewiß von England beeinflußt, eine Entwicklungdurchgemacht, die ihre selbständigen Blüten getrieben hat. In der Stellung zum neuenGartenstil nimmt es eine weit wichtigere Rolle für sich in Anspruch als Frankreich. DerKreis der Schweizer Dichter um Bodmer hatte begierig den Grundsatz Spencesutpictura poesis" aufgenommen, zugleich aber Shaftesburys und Thomsons Evangeliumvon der Größe und beseligenden Wirkung der unberührten Natur erfaßt und gleich-zeitig wie ihr Landsmann in Genf, wenn auch nicht mit so stürmischer Glut, entwickelt.So finden wir denn auch bei den Dichtern dieser Geistesrichtung, Kleist und Geßner,den ersten Ausdruck des Kampfes und Widerwillens gegen denkünstlich zugeschnit-tenen Garten mit seinen Labyrinthen von grünen Wänden und den Taxusobelisken,die in abgemessener Weise emporstehen, wo die Gänge reiner Sand, daß kein Gesträuch-chen den wandelnden Fußtritt verwirre" 30 .Zu kühner Mensch," ruft Geßner weiteraus,was überwindest du dich, die Natur durch weiter nachahmende Künste zuschmücken . . . Mir gefällt die ländliche Wiese und der verwilderte Hain.'VAber aufseinen Bildern, die der Malerdichter in innigster Verbindung mit seinen Idyllen malte,hat er im Garten gerne Berceaux und Lattenwerk festgehalten, und in der anmutigenIdylleMein W\msch" schildert er den Garten hinten am Hause,wo einfältige Kunstden angenehmen Phantasien der Natur mit gehorsamer Hilfe beisteht, nicht auf-rührerisch sie zum dienstbaren Stoff macht, um sie zu grotesken Bildern umzuschaffen";aber dann umzäunen ihn doch Wände von Nußbaum, und in jeder Ecke steht eine Hüttevon wilden Rosinen 31 . Und Kleist, der die feindliche Stellung gegen den alten Gartenaus englischen Vorbildern entlehnt, grüßt noch die Tulpe, die später so verachtete archi-tektonische Blume, alsFürstin der Blumen". Dieser ganze Kreis, dem die norddeutschenFreunde, welche sich um Gleim versammeln, nahestehen, steht noch auf der Stufe derersten Anlage von Stowe, der vor-Kentischen Periode. Gleim hat seinemHüttchen" mitdem kleinen Garten, das auch diesem Stile angehört, einen antiken Zug verliehen durchseine Bestimmung, daß er in diesem Garten begraben sein wolle, ringsumher mit denGedenksteinen für die Freunde, die sich hier so oft um ihn versammelt haben. Alsoauch in Deutschland beginnen die Dichter diese Bewegung; auch hier folgen, wenn auchimmer Jahrzehnte später, die Ästhetiker und Theoretiker. Sulzer schließt sich in seinerTheorie der schönen Künste, Anfang der siebziger Jahre, eng an Homes Grundsätze an: DieNatur ist die vollkommenste Gärtnerin, die Gartenkunst, wie jede Kunst Nachahmungder Natur, ist den zeichnenden Künsten gleichzusetzen Mason mit seiner Betonung desdesign", der Zeichnung, war unmittelbar vorangegangen. Und da währenddessen auchChambers mit seiner Glorifikation der chinesischen Gärten herausgekommen war, setztsich Sulzer noch besonders mit dem chinesischen Stile, dem er ziemlich abgeneigt gegen-übersteht, auseinander. [Wenig später begann die Tätigkeit des Mannes, der für dieAusbreitung des malerischen Stiles in Deutschland von größter Wichtigkeit wurde, des