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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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15. KAP.

Der sentimentale Garten

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der Verbindung, die der Rationalismus mit dem Gefühlsüberschwang eingegangen, istrecht eigentlich die Sentimentalität entsprungen. Jeder Eindruck war sofort bereit,sich in Empfindung umzusetzen, doch mußte man sich selbst fortwährend Rechen-schaft und eine gewisse Rechtfertigung der Empfindung geben. Am leichtestenfand man dies in dem sogenannten belebten Naturbilde. Es versteht sich für jedenMenschen des ausgehenden XVIII. Jahrhunderts von selbst, daß er beim Anblickeiner Ruine melancholisch wird, daß eine Einsiedelei zu schweigender Abgeschieden-heit, ein griechischer Tempel zu heiterer Lebenslust anregt. Und wenn das noch nichtausreichte, so half sicher eine auf diese Stimmung bezügliche Inschrift nach. DasMerkwürdigste dabei ist, daß man durchaus nicht einsam zu sein brauchte, sondern

Abb. 591Park Moncean,Blick auf dieRuinen

Stich vonCarmontelle

sicher war, auch gemeinsam in großer Gesellschaft unfehlbar von einer solchen vonaußen hervorgerufenen Stimmung ergriffen zu werden.

In beschränktem Maße kennt auch der Rokokogarten Staffagegebäude, zu diesengehören vor allem die Ruinen, sie sollenden Verstand täuschen", wie die schöneRuine des antiken Tempels in Schönbrunn. Die Sentimentalität wendet sich vonsolchen Effekten ganz ab, es ist interessant, diese beiden Strömungen gleichzeitigvollkommen unvermischt zu beobachten.Soll eine Ruine eine gotische oder einegriechische Gestalt haben?" fragt der Ästhetiker Home in den gleichen Jahren, alsdie Schönbrurmer Ruine erbaut wurdedie erstere, denke ich, denn sie macht denTriumph der Zeit über die Stärke offenbar; ein melancholischer, aber nicht unange-nehmer Gedanke; eine griechische Ruine läßt eher den Triumph der Barbarei über denGeschmack ahnen, ein trauriger und entmutigender Gedanke" 26 . Home ist wohl dererste, der die Empfindung in der Kunst so stark betont. So erregt ihm der Garten alsKunstwerkEmpfindungen" der Größe, Anmut, Heiterkeit, Melancholie, Wildheit,selbst Überraschung und Verwunderung. Er verlangt, um jede dieser Empfindungen

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