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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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15. KAP.

Ermenonville

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unregelmäßigen Alleen sind mit Schlingpflanzen bekränzt; die Vögel sind hier nicht Ge-fangene, sie werden nur durch Vogelhäuser und Futterplätze aller Art gelockt, sich hieranzubauen, und ihr tausendfältiger Gesang entzückt den Eintretenden. Das alles hatteauch schon Addison in seinem Wildnisgarten gefordert, und Rousseaus Gemälde istzweifellos auch im einzelnen von dorther inspiriert. Rousseau mußte sich selbstverständ-lich gegen den chinesischen Garten wenden, denn wenn man dort auch danach strebe, mitaller Kunst die Kunst zu verbergen, eine Forderung, die er an den guten Geschmacküberhaupt stellt, so wären dabei doch viel zu viel kostbare Anlagen gehäuft, um einennatürlichen Eindruck zu machen. Rousseau läßt in seinem Naturgarten gar keine Ge-bäude zu, nichts soll ja die Menschen-hand verraten. So tiefgreifend die Wir-kung Rousseaus auf den Garten auchwar, so konnte man sich in der Praxisdoch dieser Forderung nicht fügen. Weitverbreiteter war die Neigung, die sich,wie schon Shenstone schreibt,eine länd-liche Szene ohne ein Gebäude nicht den-ken konnte". Auch der Park, den derFreund und letzte Beschützer Rousseaus,der Marquis de Girardin, sich zu Ermenon-ville anlegte, sollte zwar ganz nach denIdeen Rousseaus Gestalt erhalten eineder Szenen des Parkes stellte das be-rühmte Elysium Juliens in Ciarens dar doch war auch er nicht ohne Ge-bäude. So fand sich auch hier ein denPhilosophen geweihter Tempel, und selbstin der Wildnis,die den AufenthaltSt. Preux' zu Meillerie nachahmt", stehtauf dem Gipfel eines hohen Felsens einekleine Hütte, an seinem Fuße breitet sichein schöner See; in dem Felsen findet

man hin und wieder die Namen von St. Preux und Heloise eingegraben. Weiter siehtman den Turm der schönen Gabriele (Abb. 588), der Geliebten Heinrichs IV., in tieferWaldeinsamkeit,ganz im alten Geschmack, eine kleine Wendeltreppe führt zu ver-schiedenen Kabinetten . . . Die Spaziergänge in diesem Garten sind nicht bloß für dasAuge, sondern auch für das Ohr reizend. Denn Herr von Girardin unterhält eineAnzahl geschickter Tonkünstler, die nicht bloß im Hause, sondern auch bald in denWäldern, bald an den Ufern der Gewässer, bald auf den Wassern selbst einzeln odervereinzelt sich hören lassen." Die Krone und der Stolz der Anlage aber war das Grab-mal Rousseaus; ein Sarkophag auf einer pappelumstandenen Insel erhebt sich imSee,und der Gedanke: hier ruht Rousseau, enthält alles, was die rührende Feierlich-keit dieses Auftritts vollenden kann" 25 (Abb. 589). Hirschfeld, der diesen Park nachGirardins eigener Schilderung wiedergibt, beschreibt in diesemreinen Muster einer ver-schönten Natur" wirklich zugleich ein Musterstück eines sentimentalen Parkes jener Tage.

25 Gothein, Gartenkunst II

Abb. 589

Ermenonville,Pappelinsel mitRousseausGrab

Nach Merigot