15. KAP.
Erster Streit im Lager des malerischen Stils
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Chambers hatte vor allem einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen dem eng-lischen und chinesischen Garten übersehen. Der Engländer will in seinem Gartenwandern, er will auf möglichst weitläufigen Wegen von Aussicht zu Aussicht geführtwerden; die notwendig kleinen zusammengedrängten Bilder, die der Chinese in seinemGarten sitzend genoß, hätten ihm unannehmbar erscheinen müssen. Kein Wunder, daßChambers' Ausführungen von Anfang an mit lebhaftem Protest aufgenommen wurden.Dazu kam, daß, als der Essay über die orientalische Gartenkunst im Jahre 1772 er-schien, die eigentliche Chinamode auch auf dem Kontinent im Abnehmen begriffen war.In England erhoben sich sofort Stimmen des Widerspruchs; unter diesen stand derDichter William Mason im Vorder treffen. Er hatte schon 1767 ein Gedicht über dieGärten begonnen, das er in mehreren Büchern im Laufe des nächsten Jahrzehntsherausgab. Er fühlte sich als der Herold und Dichter des neuen Stils, als ein Kämpferfür die Rechte der Natur. „Sie lacht der Fesseln und duldet keine Schönheit, diefremd dem Boden ist, den sie dir gibt, um ihn zu schmücken" 23 . Bei dem Maler sollder Gartenkünstler lernen. „Die Zeichnung ist eine ausgedehnte Provinz — die Garten-kunst einer ihrer Distrikte", beginnt er einen gleichzeitigen Essay über „Zeichnung inder Gartenkunst". Die Gartenkünstler haben der Natur ihr Schönstes abgelauscht,darum soll auch ihre Kunst erlernen, in fließenden Kurven wiederzugeben, was gerade,winklig oder parallel läuft, oder, wie es an anderer Stelle heißt: „Die Schlangenlinie, dieGrazie und Schönheit ihr eigen nennt, es ist die Linie der Natur." Wohl verlangt aucher Abwechslung — dies war ja schon seit den Tagen des französischen Gartens imalten Stil der beständige Ruf — aber die Häufung der Bilder und des Schmuckes, wie sieChambers' Essay vorbildlich anführte, erschien ihm sofort affektiert und dem Idealeder Natur gefährlich. Mason, im vollen Einverständnis mit Walpole, antwortete mitPopeschem Spott in einer heroischen Epistel an Sir William Chambers, die eine ganzeReihe von Auflagen erlebte. So war der erste Streit im eigenen Lager ausgebrochen,dessen Feldgeschrei „zu wenig oder zu viel Kunst" hieß. Dieser Streit begleitet in Englandunter verschiedenen Formen die ganze Entwicklung des Gartens bis in den Anfang desneuen Jahrhunderts. Zu vielseitig waren die Prinzipien, aus denen die Bewegung empor-gewachsen war, wenn es auch nur verschiedene Richtungen der von allen anerkanntenNachahmung der Natur waren. Ganz besonders heftig entbrannte der Streit, als 1794 eineSchrift von Uvedale Price: „Essay über das Malerische, verglichen mit dem Erhabenenund Schönen", erschien. Schon der Titel zeigt, daß er sich in erster Linie gegen Burkewendet, dem er hauptsächlich die Torheit zuschreibt, die unter dem Namen „im-provement" geht, da er es gewesen sei, der so verführerisch Sanftheit und allmäh-lichen Übergang als Eigenschaften der Schönheit hingestellt habe. Brown ist ihmkein Verbesserer mit dem ewigen Einerlei von „Klumpen" (Baumgruppen), Gürteln(die um den Garten laufenden Schlängelpfade) und dem künstlichen See. Er will nunendlich ernst machen mit der Nachahmung der Maler wie Claude und Salvator Rosa,jeden Zug des ersteren möchte er in den Garten übertragen haben, vor allem das teil-weise und ungewisse Verbergen der Hauptgegenstände, der Gebäude, die Vielgestaltig-keit des Wassers, „im Kontrast darf nicht nur Wildheit, sondern auch Häßlichkeit indas Gemälde gebracht werden". Sein Freund R. P. Knight, dem er von seinem Planerzählte, faßte sofort den Entschluß, ihn mit einem Gedichte zu unterstützen 233 .Praktiker, wie der damals vielbeschäftigte Gartenbaumeister Repton, antworteten