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Kewgarden
15. KAP.
seine Neugierde erregt, und sein Geist durch eine große Abwechslung entgegengesetzterLeidenschaften bewegt werden."
Chambers hatte wohl hauptsächlich Pater Attirets Briefe als Grundlage seiner Schil-derungen genommen, die er nun aber mit lebhaft tendenziöser Phantasie bereichert.Seiner Bemühung aber gelang es, in England, wenn auch nur vorübergehend, eine grö-ßere Belebung der Landschaft mit Gebäuden zu erzielen. Er selbst wurde 1758—59leitender Architekt im Kewgarden. Die Kronprinzessin Augusta, die Mutter Georgs III.,hatte sich eine Villa in Kew erbaut und suchte einen Architekten, der ihrem Garten,den sie dort malerisch anlegen wollte, die nötige Staffage gäbe. Chambers wollte nunhier zeigen, was er konnte. Hirschfeld tadelt an dem Garten von Kew, daß er zu eng an-
Abb. 587
Kewgarden,
Ruine
Nach Chambers
gelegt, daß alles auf den einen Mittelsee konzentriert sei und von der schönen Umgebungder Themselandschaft kein Gebrauch gemacht werde 22 . Chambers entschädigt dafürdurch die hohe achtstöckige Pagode, die einen weiten Umblick gestattet (Abb. 586).Hier in dieser „wilderness" umfaßt ein Blick außer der Pagode noch eine Moschee undein maurisches Gebäude, Alhambra genannt. Eine Reihe von griechischen Tempeln, aufderen spezifische Bauart der gelehrte Chambers sich viel zugute tat, eine römische Ruine(Abb. 587) und andere kleinere Denkmäler schützten diesen Garten vor der von ihm sogefürchteten Langeweile 223 . Kewgarden hat später oft den Vorwurf der Überfülle anGebäuden hören müssen, und doch ist das Übermaß lange nicht so groß, wie wir es inmanchen kontinentalen Gärten antreffen werden. Die Bedeutung dieses Gartens, dervon Anbeginn mit fremdländischen Pflanzen, besonders mit amerikanischen Laub-bäumen und Koniferen, reich versehen war, trat ganz erst im XIX. Jahrhundert, alser zum ersten botanischen Garten Europas wurde, hervor.