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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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William Chambers

15. KAP.

Abb. 585Gotisch-chinesi-scher Garten-schmuck

NachHalfpenny

eines Prospektes ausmachen", sehen den chinesischen der Halfpennys (Abb. 585) ver-zweifelt ähnlich. In beiden Stilen hatte man eine Vorstellung von verschnörkeltengeschweiften Linien, die man überall in Dächern, Balkons, Fensterumrahmungen undVerzierungen anbrachte. Noch Goethe nennt imTriumph der Empfindsamkeit" diekünstlichen Grotten des englischen Gartenschinesisch-gotisch".

Der eigentliche Einfluß jedoch, den der Landschaftsgarten in England durch denchinesischen erfuhr, knüpft sich an den Namen Sir William Chambers. In jungenJahren war Chambers im Dienste der schwedisch-ostindischen Gesellschaft in Chinagewesen. Dort hatte er eine Reihe von Skizzen chinesischer Gebäude, Trachten usw.entworfen, die er dann im Jahre 1757, schon in der Absicht, den pseudo-chinesischenVorlagen etwas Echtes entgegenzusetzen, veröffentlichte. Nach seiner Rückkehrnach Europa reiste er lange in Italien, um sich für seine Architektenlaufbahn vor-zubereiten; dort sah er die ita-lienischen Gärten und konntesich, wie Addison und Kent,ihrem Reize nicht entziehen.Chambers war als Engländer zusehr von dem neuen Gedankenbeherrscht, als daß er nicht denalten Stil prinzipiell hätte ab-lehnen sollen, aber er verglichden Reichtum, den die süd-lichen Gärten des Kontinentseinerseits und die wirklichenoder durch Schilderungen ver-schönten Gärten Chinas ander-seits der Phantasie boten, mitder immer größer werdendenEinförmigkeit des neuen Stilesin seiner Heimat. Vieles mußtehier zusammenkommen, um die neuen Gärten öde erscheinen zu lassen, einmal dieNeuheit der massenhaften jungen Anlagen, die, weil gerade auf der Schönheit desPflanzenwuchses der Haupteffekt des Bildes beruht, anfangs meist dürftig und leerausschauen mußten; dann aber waren entfernt nicht genug wirklich erfahrene Männerda, die der schwierigen Aufgabe gewachsen waren, nach malerischen Prinzipieneinen Garten anzulegen. Der hilfreiche architektonische oder plastische Schmuckdes alten Gartens war bis auf Gartenhäuser, Brücken und ähnliches völlig verbannt.So weit war damals der Garten in England von chinesischer Überladung mit Ge-bäuden entfernt, daß Chambers seinen vielberufenen AufsatzDie orientalischeGartenkunst" gerade gegen die Verödung der Gärten seiner Heimat schrieb:SowohlKünstler wie Kenner scheinen mir einen zu großen Nachdruck auf Natur und Ein-falt zu legen. Sie sind der beständige Ruf jedes halbgebildeten Schwätzers, derRefrain jedes Liedes, der Takt, mit dem ihr euch unversehens in Trägheit und Ab-geschmacktheit einlullen laßt. Wenn Ähnlichkeit der Natur ein Maßstab der Voll-kommenheit wäre, dann müßten die Wachsfiguren in Fleetstreet alle Werke des