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Le Jardin Anglo-Chinois
U.KAP.
und weil sie es nicht einmal verstehen, wenn sie es auch sehen. Es ist sicher, daß wirbloß die Natur zu unserm Vorbild hatten. Diese Kunst ist unter uns geboren; und eswar nichts ihr Ähnliches in Europa, und von chinesischen Gärten war uns damals garnichts bekannt" 18 . Die Entwicklung der Bewegung, wie wir sie bisher aufwachsensahen, bestätigt vollkommen Grays Worte. Sie ist ein Kind der geistigen Bildung derersten Hälfte des »XVIII. Jahrhunderts in England und war sich ihres Wesens völligbewußt geworden, ehe im Jahre 1747 Pater Attiret seinen Bericht mit der Schil-derung von Yuen-ming-yuen, des chinesischen Kaisers wunderbarem Lustschloß, nachFrankreich sandte. Die Chinamode mit ihren zahlreichen Ausstrahlungen auf das Kunst-gewerbe des XVIII. Jahrhunderts hatte in England vielleicht weniger heftig gewirktals in andern Ländern, jedenfalls läßt sich das auf dem Gebiete der Gartenkunst deut-lich verfolgen. Daß man Notiz genommen hatte von den Nachrichten über unregel-mäßige Gärten der Chinesen, wissen wir schon von Sir William Temple; wenn dannAddison diese vagen Nachrichten als Hilfstruppen in seinem Kampfe gegen den altenStil benutzt, so lag ihm doch jede Nachahmung fern. Und in den Schilderungen so-wohl des Übergangsstiles wie der ersten Anlagen Kents und Browns finden sich nir-gends chinesische Pavillons erwähnt, obgleich von andern Häusern in beiden sehr vieldie Rede ist. Wenn nun doch plötzlich seit der Mitte des Jahrhunderts das Schlagwort„englisch-chinesischer Garten" überall gehört wird, so erklärt sich das durch das Ein-greifen Frankreichs.
Frankreich hatte sich bisher ganz abwartend verhalten und ruhig nicht nur seinen Ba-rockgarten im eigenen Lande den Bedürfnissen des Rokoko angepaßt, sondern seinen ge-waltigen Einfluß über Europa unbestritten ausgeübt. Die wenigen Stimmen, die sich etwagegen Versailles erhoben, wie die von Saint-Simon, waren doch nur Abneigungen gegenden Geist Ludwigs XIV. Der erste, der eine entschieden feindselige Haltung dem regel-mäßigen Stile gegenüber zeigte, war der Architekt Laugier in seinem „Essai sur l'ar-chitecture", der im Jahre 1753 erschien. Pater Attirets Bericht, 1747 in Frankreich er-schienen, wurde erst um diese Zeit, 1752, ins Englische übersetzt. Er hatte genügend Zeit,seine Wirkung in Frankreich auszuüben und mit den aus England herüberflutendenIdeen verglichen zu werden. Da sah man mit Staunen die große Übereinstimmung derleitenden Gedanken, kein Wunder, daß man hier im Zentrum der Chinabegeisterunggar nicht daran zweifelte, daß England die ganze Idee dieses neuen Gartens nur aus demgelobten Lande entnommen haben konnte. Und Frankreich begann den neuen Stil beisich unter dem Namen „Anglo-Chinois" einzuführen. Ganz grundlos blieb diese Bezeich-nung für die zweite Hälfte des Jahrhunderts nun nicht; eine bedeutende Strömung desmalerischen Stiles begann sich bedenklich dem chinesischen zu nähern, kein Wunder,denn des Pater Attiret Schilderungen wurden bald durch die Anschauung unterstützt,der Kaiser von China ließ nicht nur seine europäisch angelegten Gärten stechen, son-dern sandte auch Blätter seiner andern Gärten an den französischen Hof; Reisendebrachten andere mit nach Europa, diese Blätter wurden nun von geschickten franzö-sischen und belgischen Griffeln mit erstaunlichem Stilgefühl gestochen und als Vorbilderin die Welt gesandt. Eine große französische Publikation, „Le Jardin Anglo-Chinois", diein den Jahren 1770—87 erschien, bringt neben vielen europäischen über 100 ausgezeich-nete Stiche chinesischer Kaisergärten, die teils aus dem Besitz des französischen Königsstammen, zum großen Teil aber von dem schwedischen Gesandten Cheffer herüberge-