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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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15. KAP.

Shenstone Whatley

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Leasowes. Der Dichter, der den größten Teil seines Vermögens in diese Anlage steckte,hat sich auch selbst theoretisch über die Grundsätze dieser Gartenkunst in einemAufsatzeUnzusammenhängende Gedanken über Gartenkunst" geäußert, der aber erstnach seinem Tode 1764 veröffentlicht wurde. Shenstone scheint der erste gewesen zusein, der das Wort Landschaftsgärtner gebraucht hat, und zwar um dadurch die naheVerwandtschaft zum Landschaftsmaler zu besiegeln.Ich habe das Wort Landschafts-gärtner gebraucht", sagt er,weil entsprechend unserm heutigen Gartengeschmack jedergute Landschaftsmaler der geeignete Zeichner von Gärten ist" 13 . Halten wir dies Wortzusammen mit Shenstones anderem Ausspruch:Kunst sollte niemals einen Schritt indas Herrschaftsgebiet der Natur setzen dürfen", und jenem noch weit klareren unseresdeutschen Vorkämpfers Hirschfeld:Der Gartenkünstler arbeitet am glücklichsten, wenner fast überall das Gegenteil von dem tut, was der Baumeister beachtet" 14 , so werden^wirden ganzen Gegensatz des Stilempfindens des malerischen zu dem architektonischenGarten erkennen. Die Bedeutung der Leasowes besteht darin, daß Shenstone hier denGedanken ganz durchgeführt hat, daßDer Garten nicht mehr beschränkt ist auf denOrt, von dem er seinen Namen borgt, sondern auch die Anlage und Verschönerung einesParks, einer Farm und der Fahrwege seinen Regeln unterwirft". Die Beschreibungenführen uns durch dunkle, waldige Täler auf freie aussichtsreiche Höhen, über Vieh-triften und Kornfelder zu einem versteckten Bootshaus und rauschenden Wasserfall,einem gewundenen See- oder Flußufer. Selbst dicht um das Wohnhaus lagen diese reinländlichen Szenen, bei denen Kontrast und Abwechslung die leitenden Grundsätzewaren.Whatley, einer der bedeutendsten Theoretiker dieses Stiles 15 , tadelt es wohl, daß dieFarm sich zu nahe an das Wohnhaus heranwage, da sich der Eigentümer so von demPächter nicht mehr unterscheide. Doch bewundert er aufs höchste die Erfindung dersogenanntenornamented farm", die alle, auch die rein der Nutzbarkeit gewidmetenFelder mit gärtnerischem Schmuck umschließt und verschönt. Er schildert Wobury-farm in Surrey: überall trifft man auf den Spaziergängen schöne stimmungsvolle Plätze,mit Gebäuden aller Art geschmückt; auch die Kornfelder sind von Rosenhecken um-geben und mit allerlei kleinen Blumenanlagen an den Ecken geziert. So geschmücktund gartengleich aber auch die verschiedenen Teile sind, alle sind dem Gebrauch derFarm offen, überall grast das Vieh, blöken die Schafe, die Felder werden bestellt undgeerntet etwas zögernd muß Whatley freilich zugeben, daß bei all dieser reichenZier doch der rein ländliche Charakter der Farm wieder verloren geht.

Die Engländer jener Tage waren sich durchaus bewußt, nicht nur auf dem Gebiete derGartenkunst zum erstenmal etwas ganz Originales geleistet zu haben, sondern überhauptdamit in den bildenden Künsten, deren Leistungen sie damals selbst noch schmerzlichbei sich vermißten, die ersten Schritte vorwärts getan zu haben.Die schönen Künste",sagt der Ästhetiker Home,sind bei uns noch weit von der Vollkommenheit entfernt;sie sind aber in einem Fortschritt begriffen, doch außer der Gartenkunst gehen sie nochmit langsamen Schritten vorwärts" 16 . Whatley weist der Gartenkunsteinen bedeu-tenden Rang unter den bildenden Künsten" zu, stellt sie über die Malerei soweit alseine Wirklichkeit über einer Nachahmung steht" 17 . Der Dichter Gray schreibt ebenso:Der einzige Beweis, daß wir in bezug auf die Kunst Originaltalente haben, ist unsereGeschicklichkeit, Gärten anzulegen, aber dieses ist auch keine geringe Ehre für uns,weil weder Italien noch Frankreich jemals den geringsten Begriff davon gehabt haben,