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Der Baum im neuen Stil
15. KAP.
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Blumen haben besonders in der ersten Zeit der Entwicklung in diesem Lustgarten keineStätte gefunden, sie zogen sich, wie ja schon früher einmal im englischen Garten, ganz indie Obst- und Küchengärten zurück, die auch meist, selbst in der Zeit der wildesten Zer-störungswut, ihre alte Umfriedung mit hohen Ziegelmauern um ihre regelmäßige Beet-einteilung behalten haben, so daß man dort auch heute noch wertvolle Reliquien wirk-lich alter Anlagen findet. Unter diesen Umständen mußten die Grenzen zwischen Lust-garten und Parkgelände sich mehr und mehr verwischen. Die Gartenschriftsteller undÄsthetiker haben zwar noch lange hinaus einer gewissen Zierlichkeit, die noch die Kunstverraten durfte, unmittelbar um das Haus das Wort geredet, aber da die Grenzen fehl-ten und der Übergang allmählich sein sollte und mußte, wurde man darin immer un-sicherer und infolgedessen auch geschmackloser. Dagegen fand zum ersten Male wieder<tpj//^ in diesem Gartenstil die einzelne Baumgestalt ihr Recht und ihre volle Entfaltung^Es
ist höchst charakteristisch, zu beobachten, wie mit dem Vordringen des malerischenStiles ein^j)lötzl^h^i^sejtzjmde_und wachsende Einfuhr amerikanischer Holzarten inEngland gleichen Schritt hält. Noch übt die botanische Wissenschaft als solche nTchT:den bestimmenden Einfluß auf den Gartenstil aus, erst im XIX. Jahrhundert sollte jenezu dessen eigentlicher Führerin werden. Wie sehr aber die Akklimatisation dieser neuen
) Bäume und Sträucher mit ihrer Schönheit des Laubes, dem vornehmen stolzen Wüchse,der mannigfachen Verästelung, in unmittelbarer Gefolgschaft des neuen Stiles stand,zeigt ihre Verbreitung. Hartnäckig beschränkte sich diese bis über die Mitte des Jahr-hunderts allein auf England und springt dann erst plötzlich mit dem Eindringen des| malerischen Gartenstiles auf den Kontinent über lia . Aber auch die englische freieLandschaft nahm im Laufe des XVIII. Jahrhunderts immer mehr einen Charakteran, den wir heute parkartig nennen. Die sogenannten „enclosures", d. h. eingezäunteFelder und Wiesen, die, allmählich aus der Gemeindewirtschaft ausgelöst, festesPrivateigentum wurden, waren meist mit Gräben und Hecken an den Rändern aus-gesondert. Statt der sehr geringen geschlossenen Waldbestände dienten als Ersatz ein-zelne, dann aber in dem feuchten Klima prächtig entwickelte Bäume. Allerdings warendie Engländer noch im ganzen XVIII. Jahrhundert ein Ackerbau treibendes Volk; aberdie einzelnen Ackerfelder waren meist klein und von Weiden unterbrochen. Diese starkeAnnäherung vom Garten an den Park und vom Park an die freie Natur drängte garbald den Gedanken auf, ein ganzes Besitztum, ein Gut zu „verschönen" und es denPrinzipien einer ordnenden Gartengestaltung zu unterwerfen, ohne es der Nutzbarkeitzu entziehen.
Eine wichtige Rolle auf dieser Stufe des englischen Landschaftsgartens spielt derI )ichter William Shenstone, der im Jahre 1745 sein väterliches Besitztum, die Leasowes,ein Name, der Hirtenfelder oder Weide bedeutet, im neuen Stile anlegte. Dr. Johnsonnennt dies das Lebenswerk Shenstones, der als Dichter zu den frühen Vorläufern derromantischen Bewegung gehörte. Alsbald begann Shenstone, wie Johnson erzählt,„die Ausblicke herauszuheben, die Oberfläche mannigfach zu gestalten, die Wegeverschlungen zu ziehen, die Wasser zu schlängeln; dies tat er mit so viel Urteil undPhantasie, daß sein kleines Besitztum zum Neide der Großen und zur Bewunderung derGeschickten wurde; eine Anlage, die von Reisenden besucht und von Zeichnern abge-zeichnet wurde" 12 . Kaum von einem Gartengelände -— so müssen wir diese Schöpfungwohl bezeichnen — besitzen wir eine solche Fülle von Schilderungen, wie von den