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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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15. KAP.

Hogarth Kent

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tik aus, die hier seltsamerweise die dogmatische Richtung der Zeit benutzt, um allerRegelmäßigkeit den Krieg zu erklären. Schon im Jahre 1745 hatte Hogarth auf diePalette seines Selbstbildnisses eine undulierende Linie gezeichnet, die er später in seinemtheoretischen WerkeDie Analyse der Schönheit" als die monumentale Schönheits-linie bezeichnete 10 . Hogarth versuchte nachzuweisen, daß die Schönheit nicht einje ne sais quoi", sondern eine klar und fest bestimmbare Eigenschaft der Dinge sei.Die sichtbare Formel für die höchste Schönheit ist eine fest bestimmte undulierendeSchlangenlinie, sie zeigt die reichste Abwechslung, da sie in keinem Punkte gleich ist,vor der Kreislinie aber den Vorzug hat, die Einbildungskraft zu beschäftigen, da siedem Auge verschwindet und wiederkehrt. Edmund Burke nahm bald darauf diesenGedanken Hogarths auf. Dieser hatte schon die Symmetrie und Regelmäßigkeit nichtwie die Ästhetik bisher als wesentliche Eigenschaft der Schönheit angesehen, sondernsie nur unter Bedingungen zugelassen. Burke erklärt nun der Symmetrie völlig den Krieg.Weder sie noch eigentliche Regelmäßigkeit gehören der Schönheit als solcher an. Siefinden sich in der Natur nicht, der Mensch nur hat die unglückliche Neigung, seine An-sichten in diese hineinzutragen. Das beste Beispiel hierfür bietet ihm die alte Gartenkunst:Weil die Menschen sahen, daß ihre Häuser am bequemsten regelmäßig gebaut waren,so übertrugen sie das auch auf den Garten, verwandelten die Bäume zu Pfeilern, Pyra-miden, Obelisken, die Hecken zu grünen Mauern, legten die Plätze zu Drei- und Vier-ecken von genauester Symmetrie an; sie dachten, wenn sie auch die Natur nicht nach-ahmten, so verbesserten sie sie doch und lehrten sie ihr eigenes Geschäft. Endlich aberist die Natur ihren Fesseln und ihrer Zucht entwachsen, und unsere Gärtner sehen ein,daß mathematische Figuren kein treues Maß für Schönheit sind" ll . Statt solcher Mißver-hältnisse findet Burke, daßsmoothness", sanfte Glätte, die allbestimmende Eigen-schaft der Schönheit sei, so sehr, daß er nichts Schönes kenne, das nicht zugleichsmooth" ist. Burke hatte nicht umsonst an die Gartenkunst appelliert, sie zuerstmußte von dieser Seite den bestimmenden und, zu bald, auch verflachenden Einflußerfahren.

Aus all diesen geistigen Strömungen der Zeit wuchs nun ganz organisch der Land-schaftsgarten empor. Der erste, der praktisch die reife Frucht zu pflücken unternahm,war William Kent, ein Maler, der, so wenig er auch auf dem Gebiete dieser Kunst zuleisten vermochte, doch nach den Vorbildern zu sehen wußte, die der neue Stil brauchte,um sich ganz von den Fesseln des alten zu befreien: der Landschaftsmalerei. Englandselbst war es allerdings noch nicht vergönnt, die Landschaft, die es in seiner Dichtungentdeckt hatte, auch in der Malerei nachzubilden. Da war ihm der Kontinent voran-gegangen mit seinen großen Landschaftsmalern, den Claude Lorrain, Salvator Rosa,Poussin für den Süden, den Everdingen, Ruysdael und den andern Niederländern fürden Norden. In England aber begann man mit großem Eifer diese Werke zu studieren.Wenn man vorerst Poussin und Claude vor den Nordländern bevorzugte, so lag dasdaran, daß die prächtige, wohlgepflegte, stilisierte Landschaft dieser Maler dem Zeit-empfinden mehr entgegenkam, nach Addisons Ausspruch, daß die Natur am erfreu-lichsten sei, die der Kunst am nächsten käme. Kent selbst, der ursprünglich Kutschen-maler war, ehe sein Patron, der Earl of Burlington, auf ihn aufmerksam wurde und ihnnach Italien schickte, lernte im Süden wenn auch nicht malen, so doch sehen und verglei-chen. Wie schon vor ihm Addison, fiel ihm besonders auf, daß die italienischen Gärten

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