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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Kent Brown

15. KAP.

in ihrem Stil längst nicht so aus dem Charakter ihrer Landschaft herausfielen, wie dasim Norden der Fall war. Er sah, wie die bewunderten Landschaftsmaler des Südens sichhäufig gerade die Gärten als Motive für ihre Bilder ausgesucht hatten; das Verdienstvon Kent ist, daß er, erfüllt von diesen Eindrücken, nun nicht wieder zu einer neuenNachahmung schritt; sondern, nachdem er sich nach seiner Rückkehr eine höchst auto-ritative Stellung in Sachen des Geschmackes erworben hatte, begann er als erster Gär-\ Aen in einem freien, malerischen Stile anzulegen, wozu er seine Motive aus der umgebenden

/\ Landschaft nahm. Kents Grundsatz war:die Natur verabscheut die gerade Linie".Wie sehr dies Wort nicht nur dem Grundplan, sondern auch jeder Einzelgestaltung desalten Gartens den Krieg erklärt, versteht sich von selbst. Die geraden Wege mußtenauf das ängstlichste vermieden werden, alle^Wasserk ünste, selb st Sjjrmgbrürmen,waren^y£rjiöjit^rüx_d^r_S£e_ mit u n regelm ä ßigen Ufern und -d^rJFhiß, der sich durchY das Gelände schlängelt, wurden zugelassen. Das malerischeJ\lot iv des Lichtes _ und

' . Schattens wurde durch Bäume und Gebüsch ausgedrückt, das sich zwar völlig frei ent-falten sollte, aber nach der von Pope verlangten Regel des Kontrastes gepflanzt wurde.Wie auf dem Landschaftsbilde mußte es die Perspektive bestimmen und im Garten zu-gleich zu einem zweiten oder dritten Blicke hinleiten. Der Rasen, der von je im engli-schen Garten eine große Rolle gespielt hatte und nicht selten als ein tiefgrünes, vonkeinem Wege durchschnittenes Viereck sich dicht vor den Fenstern des Wohnhauseshingestreckt hatte von Bacon bis zu den Theoretikern des frühen XVIII. Jahr-hunderts finden wir diese Vorschrift dehnt sich nun als Teppich und Farben-kontrast gegen die Büsche und Baumgruppen aus.

Neben und nach Kent erwarb sich ein anderer Gartenkünstler, Lancelot Browruum die Mitte des Jahrhunderts einen großen Namen. Brown wurde vcn einer wahrenLeidenschaft getragen, die in den vierziger Jahren des Jahrhunderts das sonst so bedäch-tige, konservative Volk ergriff, mit demnaturwidrigen Ungeschmack" der alten Gärtenaufzuräumen. Die alten schönen Gärten, deren Bild in Kips', Atkyns' und anderer Samm-lungen aufbehalten ist, wurden in den nächsten 2030 Jahren vollkommen umgestal-tet, so daß heute besonders in Mittel- und Südengland wirklich alte Gartenanlagen kaumzu finden sind. Brown war der eigentliche Förderer der undulierenden Schönheits-linie, die er überall in seinem Garten einrührte. Das Terrain sogar müßte eine sanftwellenförmige Bewegung haben; eigentliche Terrassen wurden als ganz unnatürlichabgeschafft. Die Wege, die um die einzelnen Bilder führten, waren wahre Muster derSchönheitslinie, bj»onders_derWeg, der den ganzen Park an der Peripherie umlief, derden Namen Gürtel,belt", trug, mußte dem Besitztum durch seine zahlreichen Windun^gen ein vergrößertes Ansehen geben. Die Gestaltung des späteren Gartens von Stöwe(Abb. 583), der hauptsächlich ein Werk Browns war, ist ein Musterbeispiel dieserEntwicklung. Browns größte Stärke aber lag in der Wassergestaltung; er zuerst gabdem See jene später tausendfach wiederholte gewundene Bewegung, die die Abwechs-lung der Ufer in Buchten und Krümmungen hervorbrachte; ähnlich wurde auch derFluß behandelt. Einst war Brown so entzückt über eine seiner Flußufer anlagen, daß erdie Themseufer übertroffen glaubte und ausgerufen haben soll:O Themse, Themse,du wirst mir nie verzeihen." Spötter gaben ihm den NamenCapablity Brown", daer in seinem Gartenterrain immer von den Fähigkeiten sprach, seine Eitelkeit scheintaber diesen Namen gerne angenommen zu haben.