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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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15. KAP.

Addison

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und Pyramiden. Wir sehen die Spuren der Schere an jeder Pflanze, jedem Busch." Ad-dison war lange auf dem Kontinent gereist; die italienischen Gärten waren um jene Zeitvielfach in einem vernachlässigten Zustande; dieser aber gibt einer solchen Gartenruinedurch die üppige südliche Vegetation jenen malerischen Reiz, welchen das Auge, dassich müde gesehen hatte an dersteifen Geziertheit" der gut gehaltenen nordischen Gär-ten, wohl mit Entzücken im Gegensatz zu diesen empfinden mußte. Dazu kam, daß ge-rade England niemals viel von der Einwirkung des großen französischen Stiles gesehenhatte, und daß hier die holländische Sauberkeit, Beschränktheit und Zierlichkeit ebendurch die nationale Verbindung damals in besonderer Gunst stand. So stellte Addison indiesem Essay ausdrücklich den italienischen und französischen Garten dem englischengegenüber; er findet dort mehr Größe und, .künstliche Wildheit''. Und fast gleichgeordnetdiesen Gärten werden auch die Nachrichten aus China angerufen; die Reisenden erzählen,daß die Chinesenunserer europäischen Pflanzungen, die nach Meßschnur und Linieangelegt sind, lachen, denn sie sagen, jeder kann Bäume in Reihen pflanzen und regel-mäßige Figuren anlegen, sie erfreut es mehr, den Genius in den Bergen und der Natur zufinden und sie verbergen daher die Kunst, durch die sie geleitet werden". Wie weit Addisontrotzdem von jeder Ahnung des Wesens der Kunst der chinesischen Gärtnerei entferntwar, zeigt das Ideal eines Gartens, das er ein paar Monate später in einem zweiten EssaydesSpectator" aufstellt 6 : Ein Fremder, der sich in seinen Garten versetzt sähe, würde ihnals eine natürliche Wildnis ansehen, ein Durcheinander von Küchengarten und Parterre,von Obst- und Blumengarten nennt er ihn, wo an verschiedenen Stellen Blumen wachsen,die er aber so wenig um ihrer Seltenheit willen schätzt, daß er oft von SpaziergängenFeldblumen heimbringt, um sie in seinen Garten zu pflanzen. Es entzückt ihn, wenn erbei seinen Spaziergängen nicht weiß, ob der nächste Baum, den er antrifft, ein Apfel-baum, eine Eiche, eine Ulme oder ein Birnbaum sein wird; und die Quelle, die als kleinerwandernder Bach seine Pflanzungen besucht, hat er mit Sorgfalt so geleitet, wie sie inden offenen Feldern fließt, mit Veilchen, Himmelschlüsseln und Weiden am Ufer.Schon den ersten Aufsatz hatte Addison mit dem Ausruf beschlossen:Ich weiß nicht, obich mit meiner Meinung allein stehe, aber was mich betrifft, so schaue ich lieber einenBaum in aller seiner Fülle und seinem Überfluß von Ästen und Zweigen, als ihn ge-stutzt und verschnitten in mathematischen Figuren zu sehen, und ich kann mir nurvorstellen, daß ein Obstgarten in Blüte unendlich köstlicher ausschaut als die kleinenLabyrinthe und fein ausgeführten Parterres."

Addison wußte wohl, daß er mit seiner Meinung mindestens nicht lange allein blei-ben würde, war er es doch, der als erster wagte, durch seine Zeitschriften öffentlicheMeinung in England zu machen und diese unbedingt zu beherrschen. Der erste, derihm eilig zu Hilfe kam, war Pope._ Auch er kleidete die neuen Gedanken Shaftes-burys und Addisons in eine vermittelnde Form:Ich glaube, es ist keine falsche Be-obachtung, daß Menschen von Genie, die in der Kunst begabtesten, am meisten dieNatur lieben; denn diese empfinden besonders stark, daß alle Kunst Nachahmung undStudium der Natur ist" 7 . Wieder ist hier ein Losungswort der Romantik, Genie undNatur, zuerst von einem Klassizisten zusammengestellt worden. Freilich mußte derInhalt dieser Worte erst ein anderer und neuer werden, um auch der Dichtkunst einenneuen Impuls zu geben. Di e Natur a ber suchte auch Pop£_zun_ächst im Gegensatz zudjr_jiaxterikjuistdej.. Mit all seinem witzigen Spott überschüttet er dieGarten-

24 Gothein, Gartenkunst II

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