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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Naturempfinden im XVII. Jahrhundert

15. KAP.

fürstlicher Gärten." Hier.finden wir zum erstenmal mit einer bewußten Feindseligkeitden zurechtgestutzten Garten der unberührten Natu r gegenübe rgestellt. Der Menschdes XVII. Jahrhunderts hatte die sogenannte freie Landschaft wohl auch gekannt,aber sie war die Szenerie seiner Schäferpoesie, konventionell gebunden, traditionellanknüpfend an den Schauplatz der antiken und mittelalterlichen Liebesromane. DieseLandschaft vertrug sich auf das beste mit dem Garten, mit dem sie auch häufig ohneÄnderung der Empfindung vertauscht wurde. Dasselbe, was kunstvoll im Garten derMensch schuf, das bildete in der weiten Landschaft diekunstwunderbare Natur". Ja,mehr noch werden wir das vorausdeutende Verdienst Shaftesburys und seiner mitempfin-denden Engländer zu schätzen wissen, wenn wir sehen, wie noch Jahrzehnte nach ihremAuftreten außerhalb Englands überall das Naturempfinden von den ästhetischen For-mationen des Gartens bestimmt wird. Es ist, wie gesagt, eine Lieblingsvorstellung, sichdie Natur oder auch Gott als Gärtner zu denken. In dem gleichen Jahre, als Shaftesburysein Bekenntnis ausspricht, singt ein deutscher Poetaster:

Willst du die Gartenlust des großen Schöpfers schauen,So sieh den grünen Strich, der schönsten Bäume Pracht,Betrachte die Alleen, die bunt bemalten Auen,Die Grotten, die er selbst mit eigener Hand gemacht" 4 .

Die Reisenden werden selbst in fremdartigen Landschaften die Gartenvorstellungennicht los. In Guinea schaut ein Reisender Wälder,welche oben also eben sind, als wennsie mit einer Schere geebnet und verschnitten wären" 5 . Ein anderer steht auf demBrocken,oben in der Höhe des Berges stehen Bäume in einem runden Circul, alswenn sie mit Fleiß also wären gepflantzet worden und wachset keiner außer der Ord-nung weiter hinein." Ein Schwarzwaldreisender sieht noch 1760 durchaus das Vorbilddes Gartenideals der Zeit in der Natur.Der Wald ist unvergleichlich; da kann manrecht sehen, wie eine sich selbst überlassene und Jahrhunderte durch verschonte Holzungaussieht. Keine Verzierungen von Lustwäldchen, Alleen, Berceaux, Kabinetten könnenin einem Garten erdacht werden, von denen man hier nicht die Originale in ursprüng-licher Schönheit findet. Vornehmlich ergötzen mich an einigen Orten die tausenderleiGruppierungen der Nadelhölzer, die vom Erdreich bis an die Gipfel die vortrefflichstenPyramiden darstellen."

Shaftesburys Worte aber waren in England nicht ungehört verklungen; wenige Jahredarauf, am 25. Juni 1712, publizierte Addison imSpectator" einen Essay, der, an Shaftes-bury knüpfend, die freie Natur, die Landschaft, und die Kunst, den Garten, in ihrergegensätzlichen Wirkung auf die Imagination beleuchten sollte. Addison geht durchausnicht so weit wie Shaftesbury. Wenn er der Natur auch Größe und Erhabenheit zuschreibt,v die die Kunst niemals erreichen kann, sofinden wir die Werke der Natur doch um soY angenehmer, je mehr sie den Werken der Kunst ähneln", und ebenso sicher können wir\ sein, daß Werke der Kunst den größten Vorteil durch ihre Ähnlichkeit mit der Naturerlangen. Steht Addison mit seiner ersten These noch ganz auf dem Boden des oben ge-schilderten künstlichen Naturempfindens, so vermag er dadurch, daß er die beiden Enden,Natur und Kunst, möglichst zusammenbiegt, doch den Boden für seinen Feldzug gegenden britischen Garten zu finden, der, anstatt die Natur zu unterstützen, alles getan habe,sich von ihr soweit als möglich zu entfernen.Unsere Bäume erheben sich als Kegel, Kugel