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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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14. KAP.

Daimiogärten

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dort ihre Häuser mit Gärten; in den Kaufmannsgärten wurde meist der sogenannte ebeneGartenstil bevorzugt. Dasselbe Verhältnis wiederholte sich nun in der HauptstadtYeddo-Tokio. Iyeyasu hatte bei seiner Organisation den genialen Gedanken gehabt, dieDaimios zu verpflichten, jedes zweite Jahr eine Zeitlang ihren Aufenthalt in Yeddo zunehmen, gleichsam dem Shogun dort ihre Aufwartung zu machen. Politisch bedeutetedas so viel wie die unausgesetzte Beaufsichtigung des unruhigen Provinzadels, die Unter-drückung jeglichen persönlichen Unabhängigkeitsgelüstes. Wenn der Daimio in Yeddowohnte, so stand er zum Shogun im gleichen Verhältnis wie in der Provinz sein Samuraizu ihm. Das drückte sich auch in der Wohnweise aus. In der Mitte thronte die Residenzdes Shogun, das Festungsschloß von Yeddo, das aber innerhalb seiner Mauern derParkanlagen nicht enbehrte. Ja, selbst die ungeheueren Erdumwallungen mit ihremtiefen Grabensystem, das Staunen und die Bewunderung aller modernen Beschauer, hatder Japaner, der der Naturfreude nirgends entbehren kann, mit alten dunklen Kiefernbepflanzt, die zu dem lichten Rasen von Koreagras, das die Abhänge bedeckt, kon-trastieren. Um dies Schloß erbauten sich nun die Daimios ihre temporären Residenzen,die mit ihren Parks und Gebäuden oft weite Strecken in Anspruch nahmen und dieHauptstadt zu einer prächtigen Gartenstadt umwandelten, während der Wetteifer siedas Innere ihrer Häuser mit erlesenen Kunstwerken schmücken ließ.

Lafcadio Hearn hat in seiner anmutigen sympathischen Weise eine Schilderungeines Samuraigartens, den er selbst eine Zeitlang in Tokio bewohnte, gegeben, dieuns in seine intime Schönheit einführt 52 : Wie immer bei den Samuraiwohnungenführte von der Straße ein einfaches Gartentor in das Besitztum, das wieder nachdem Schlosse zu durch eine Mauer abgegrenzt ist. Das Haus ist, wie immer, ein-stöckig und luftig. Neben dem Eingang fast jedes Samuraihauses steht ein Baum,Tegastriva genannt, ein kleiner Stamm mit großen Blättern, er hat seine bestimmtesymbolische Bedeutung und Legende, die dem Hause Schutz und Segen bringt.EineReihe von Gärten umgeben die Wohnung auf drei Seiten, breite Veranden überschauendiese, und von einem bestimmten Verandawinkel kann ich zwei Gärten auf einmal über-sehen. Bambuszäune und verflochtene Büsche mit weiten torlosen Öffnungen bildendie Grenze der drei Abteilungen." Der eine dieser Gärten, der eine Fülle seltsamer Steinehat, auch solche, die oben ausgehöhlt sind und Wasser halten, zeigt Miniaturhügel mitalten Miniaturbäumen darauf. Wasser darf in einer solchen Landschaft natürlich nichtfehlen, aber es ist hier nur angedeutet durch grün überhangende Bäume, unter denensich ein Fluß von blaßgelbem feinen Sande schlängelt, auf diesen Sand darf man natür-lich nicht treten, sondern muß sich der Schrittsteine bedienen, die hinüberführen.Bäume decken den Garten gegen jeden störenden Gegenstand, der von außen dem Bildeschaden könnte, darunter fünf Kiefern, die nicht nur den festen Punkt der ganzen Be-laubung bilden, sondern deren symbolische Bedeutung auch die Dämonen vertreibt.Auf der Nordseite liegt Hearns Lieblingsgarten: ein Miniaturteich umschließt einemit seltenen Pflanzen bestandene Miniaturinsel mit Zwergpfirsich-, Ahornbäumen undAzaleen, manche wohl ein Jahrhundert alt, obgleich kaum mehr als einen Fuß hoch.Und doch, von einem bestimmten Platze des Gastzimmers sieht er nicht wie eine Mi-niatur aus, sondern wie eine wirkliche Landschaft, ein Seeufer mit Insel, nur weit ent-fernt." Der dritte Garten, ursprünglich ein Bambushain mit einer Quelle, die eiskaltesWasser dem Haushalt zuführt, ist jetzt verwildert. Ein kleines Tempelheiligtum mit