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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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14. KAP.

Teekult

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asiatischen Seele. Auch hier kam der Keim, das Wesentliche dieser Zeremonie, aus Chinamit dem Import der Tees. Nicht, daß den Japanern vorher die Pflanze und deren Gebrauchganz unbekannt gewesen wäre, doch erst im XII. Jahrhundert brachte ein buddhis-tischer Mönch der Zen-Sekte die feinen, chinesischen Teesorten herüber. Ihre Kultivierungin Japan ging anfangs so langsam vor sich, daß ein Kästchen chinesischen Tees großenKriegern als schönste Belohnung geschenkt wurde. Man hat das Wesen dieser Zeremonie,um sie europäischem Verständnis näher zu bringen, mit dem der Freimaurerei ver-glichen 49 . Hier wie dort galt es, die Erziehung zu gewissen Tugenden nach außen hinmit einem Gewebe barocken Zeremoniells zu umgeben. Der Japaner betrachtet alsKardinaltugenden Urbanität, Höflichkeit, Reinheit und Gleichmut. Es war gegen dasEnde des XV. Jahrhunderts, als die Sitten des feudalen Landadels sich denen desHofadels, der ihm in der verfeinerten Lebensart um Jahrhunderte voraus war, zu nähernbegannen. Diese zeremoniellen Teegesellschaften, an denen auch dies eine Ähnlich-keit mit der Freimaurerei nur Männer teilnahmen, war ein Boden, auf dem sie sichtrafen. Die Kriegerkaste, die als Verehrerin der strenge, einfache Sitten predigenden Zen-Sekte diese Tugenden bisher in asketischen Übungen fand, war sehr geneigt, die gleichenin Verbindung mit einem bis zum äußersten Raffinement ausgebildeten Zeremoniell zuüben; der Hofadel, der das Zeremoniell gewöhnt war, es aber bisher als einen Mantelluxuriöser Lebensausschweifung getragen hatte, war bereit, in seine Sphäre einen mora-lisch höheren Inhalt zu bringen. Hiermit verband sich auch der Sphäre des Hofadelsentlehnt eine ästhetische Erziehung, die an Hand der zahlreichen, bei dieser Zeremoniegebrauchten Gegenstände bald zu archaistischer Einfachheit, bald zu künstlerischemRaffinement geleitet wurde. So war aus dem ursprünglichen, einfachen Teekosten, beidem die teueren und seltenen Teesorten einem Freundeskreise vorgesetzt wurden, derseine feine, aristokratische Zunge an der Klassifizierung der Sorten üben mußte, umdas Ende des XV. Jahrhunderts ein höchst komplizierter Ritus entstanden. Doch dieseVerbindung strenger Einfachheit mit ästhetischer Fein schmeckerei, äußerer Gebunden-heit durch ein Zeremoniell, das jede kleinste Bewegung regelt, mit Erziehung zu mora-lischer Freiheit durch Gespräche und tiefste Versenkung buddhistischer Art muß demWesen des japanischen Volkes wohl ganz besonders entsprechen.

Wie der Chinese liebt auch der Japaner, seiner Geselligkeit in einer bestimmten Auf-gabe einen Mittelpunkt zu geben. Das Versemachen war so zeitweise zu einer wahrenLeidenschaft geworden; eine Vorstufe des Teekostens war jenes Unterscheiden feinerWohlgerüche. Nichts aber hat eine auch nur ähnliche Berühmtheit erlangt, wie diesesTeezeremoniell. Es hat in seiner langen Geschichte die berühmtesten Namen vonKünstlern als Lehrern, von Kriegshelden als Schülern und Förderern aufzuweisen. Undauch heute übt es noch, trotz aller Aufklärung und Reform, eine große Macht aus. Festgeregelt war vor allen Dingen das Teehaus oder der Pavillon, in dem der Wirt seineGäste empfing; nach den verschiedenen Lehrern, deren Berühmtheit mit der der größtenKünstler und Helden wetteifert, schwankten die Maße der beiden Räume, die der Pa-villon in sich schließt; aber vorgeschrieben war alles, von der Größe des Raumes biszur Dicke des Fensterkreuzes und der Anzahl der Türnägel. Diesem Hause, das in seinerEinfachheit nur eine Art symbolischer Andeutung einer Wohnung sein sollte, mußte derGarten davor vollkommen entsprechen (Abb. 577). Es ist schon früher darauf aufmerk-sam gemacht worden, wie sehr der Garten sich nach den Räumen, von denen er ange-