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Miniatur gärten
U.KAP.
Abb. 576Zwergbäum-chen, Japan
Phot.
Gruppe von Nadelbäumen oder Kryptogamen beschattet, bringt ihm schon einenbesonders heiligen Tempel vor die Seele. So ist ihm sein Garten nicht nur ein Gemälde,sondern er weiß auch mit der Sprache der Dichter zu ihm zu sprechen. In jedemgrößeren Garten reihte sich wie in China Bild an Bild, Blick an Blick, die wieder ihreEinheit durch Kontrastwirkung zeigen mußten. Sehr beliebt war es, in einem Gartenacht verschiedene Bilder zu verbinden, entsprechend den Hak-kei oder acht Ansichten,durch die bestimmte Punkte in Japan berühmt waren. Andere Gärten zeigten derennoch weit mehr. In einem berühmten Parke von Tokio, der 1867 zerstört wurde, warendie 36 Ansichten, die die Reisenden auf dem Wege von Kioto nach Tokio bewunderten,so treu nachgebildet, „daß ein Rundgang durch den Park eine Reise von einer Haupt-stadt zur andern machen hieß" 47 .
Ebenso wie die ganz großen Gärten dem Luxus dienten, so auch die Miniaturgärtlein,die wie in China aus der Zucht der Zwergpflanzen hervorgegangen und allmählich
zu einem Luxusartikel ersten Ranges ge-worden waren. Ebenso wie die Zwerg-bäume in Töpfen, hatten diese Land-schaften einen für unsere Begriffe un-berechenbaren Wert (Abb. 576). Schonfrühe Besucher von Japan erzählen da-von ; Kämpfer sah in einem kleinen Käst-chen von 4 Zoll Länge, i 1 / 2 Zoll Breiteund 6 Zoll Höhe nebeneinander wachsen:ein Bambusrohr, eine Kiefer und einblühendes Pflaumenbäumchen, die zu-sammen den Wert von 2000 Mk. hatten.Und das sind nicht etwa Ausnahme-preise 48 . Im Jahre 1910 hatte die japani-sche Regierung der City von Londonzwei transportable Miniaturgärtchen alskostbarste Gabe geschenkt, das eine einHügelgarten, das andere ein Teegarten: „Die Bäume haben ein Alter von 30 bis150 Jahren, die Felsen und Steine sind von verschiedenen Teilen Japans herbei-geschafft und haben alle ihre besondere Assoziation mit einem Orte, der durchSchönheit ausgezeichnet ist. Die Paläste und Heiligtümer sind genau nach dem altenStile, zwischen 200—500 Jahren zurückliegend, gemodelt." So las das Londoner Publikumin der Aufschrift und sah mit verständnislosem Staunen auf die Spieldinger vonkaum 2 m im Geviert.
Schon im XV. Jahrhundert kam aber auch in den Gärten der Vornehmen, und geradehier als ein Gegengewicht gegen den Luxus, der damals in den Palästen der Großen umsich griff, ein ganz neuer Stil auf, im Gefolge einer moralisch-ästhetischen Zeremonie,des sogenannten Teekultus 49 . Cha-no-yu heißt wörtlich „Heiß-Wasser zum Tee", einWort, das durch seinen verschleiernden Ausdruck den obersten Grundsatz dieser Zere-monie: Erziehung zur Einfachheit, ausdrücken soll. Um dieses Ziel zu erreichen, wurdeeine alle europäischen Begriffe übersteigende Zeremonie, eine Tabulatur, deren Studiumeine Lebensaufgabe sein kann, erfunden; ihre Bedeutung bleibt das Geheimnis der ost-