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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Blumenarrangement

U.KAP.

Abb. 570Glyzinenlaitbe

Phot.

in denen allerlei Gestalten, selbst menschliche Figuren, erscheinen, zusammenführt. Und.wieder hält jetzt der Adel in den Kaisergärten traditionbeladene Feste ab. Das Wappendes Kaisers trägt eine Chrysanthemumblüte. Jetzt färbt sich auch das prächtige Laub'des Ahornbaumes, das an bestimmten Orten bewundert wird. Den November und De-zember schmückt eine besondere Kamelienart und die Blüte des chinesischen Tees, und imJanuar endlich zeigen wenigstens die Gärten schon die gewöhnlichen Kamelienarten 38a .Japan ist nicht überreich an Blumenarten, der Versuch einer vielfach variierendenBlumenzucht ist ihm erst mit der westlichen Kultur gekommen. Zu der Liste der oben-genannten populären Blüten können noch die Azaleen und Orchideen hinzugefügtwerden. Die unübersehbaren Zuchtarten des Abendlandes sind den Japanern ganz un-bekannt, und selbst in ihrer kaiserlichen Blume, dem Chrysanthemum, sind sie von

abendländischen Gärtnern überholt wor-den. Doch von der tief eingeborenen undreich entwickelten Blumenliebe des ja-panischen Volkes hat Europa doch keineVorstellung. Sie zeigt sich auch be-sonders in einem Zweige ihrer Kunst,dem Blumenarrangement. Sie nennen esike-bana oder lebende Blume (Abb. 571).Es gilt dabei, der Blüte, die von der Erdegetrennt ist, einen Platz zu schaffen, derihr Bild nach Möglichkeit in ihrer Lebens-atmosphäre läßt; sie soll nur dadurch,daß sie herausgenommen ist und in einGefäß gestellt wurde, unter besondereObhut und Pflege des Menschen ge-nommen werden. Dazu muß der Stengeloder Zweig seine ganz besondere eigen-tümliche Gestalt behalten, dazu muß vor allem das Gefäß ein besonderes, für dieBlüte passendes sein, es muß ihr ein Gegengewicht bieten wie der mütterlicheBoden, auf dem sie stand, und zu gleicher Zeit ihre Schönheit erhöhen und in dasrechte Licht setzen. Daß das japanische, geschulte Auge sich die besonders charak-teristischen Formen einer Pflanze heraussucht, ist zu verstehen; da die Naturselten diese Formen vollendet gibt, muß die Kunst nachhelfen. Eng verwandt istdiese Kunst mit der symbolischen Grundlage, die wir in der Gartenkunst gleichkennen lernen werden. Treue Naturbeobachtung, ein feines ästhetisches Empfindenfür die Linie und eine symbolisierende Mystik arbeiten hier, wie überall bei denJapanern, zusammen, um daraus eine feste, durch Überlieferung geheiligte Form zuschaffen, die sie in Bänden theoretischer Abhandlungen niedergelegt haben. So sinddie Kurven, die die Pflanze bilden muß, ebenso sicher vorgeschrieben, wie die Aus-läufer in 3, 5 oder 7 Blüten oder Blattenden, die bei den einzelnen Systemen dieserKunst wieder noch bestimmte symbolische Bedeutung haben. Auch die Umgebung desRaumes, wo die Vase aufgestellt oder angehängt wird, bedarf einer weiteren notwendigenBeachtung; ja, da der Garten, auf den der Raum hinausgeht, mit dazugehört, sodarf auch dieser nicht außer acht gelassen werden 39 .