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Bedeutung der Berge und Steine
14. KA P.
ist ganz einfach, aber er ist ausgezeichnet durch die Aussicht auf eine weite Ebene, woder Kiang sich inmitten von Reisfeldern schlängelt" 22 . Das Gedicht schließt mit einerSchilderung von des Verfassers ländlicher Beschäftigung, dem Besuch der Freunde, einemLob der Einsamkeit und einem Lebewohl an den geliebten Garten, weil sein Leben demVaterlande geweiht sei, das ihn in die Stadt ruft. Hsi-ma-kuang gehört der Sing-Dyna-stie an, d. h. jener Periode der chinesischen Kultur, in der alle Künste ihre höchstelebendige Entwicklung fanden, das klassische Zeitalter Chinas, vergleichbar der Renais-sanceepoche der westeuropäischen Völkerfamilie. Dichtkunst und Malerei durch-dringen sich auf das tiefste, „ein Bild ist ein gemaltes Gedicht", und Gemälde sollendie Empfindung eines poetischen Temperaments in gleichem Maße zeigen, wie diePoesie die Seelenstimmung eines Künstlers erkennen läßt. Die Gartenkunst ist abernur ein Zweig der Landschaftsmalerei. Nichts setzt den Ostasiaten, der unsere Garten-kunst betrachtet, so sehr in Erstaunen, als daß wir, die wir so gern uns Landschafts-bilder an die Wände unserer Zimmer hängen, niemals darauf kommen, solche Ge-mälde, die wir aus den Gegenständen der Natur bilden, als Gärten um unsere Häuserzu schaffen 23 .
Vielleicht dürfen wir in der eigenartigen Verehrung, die die Chinesen den Bergen undSteinen entgegenbringen, eine Urform der Religion, den letzten Grund auch ihrer Garten-formation sehen. Martini spricht in seinem chinesischen Atlas von dem seltsamen Aber-glauben der Chinesen, ihre Berge betreffend. „Sie erforschen die Psychologie eines Berges,seine Formation, seine Adern, wie sonst die Astrologen den Himmel oder die ChiromantendieHand." Wenn derDrache, d.h. das quellende Wasser, für sie der Bringer allen Glückes,den Berg zur Wohnung sucht, dann ist er auch glückbringend, dort bauen sie dann dieGräber ihrer Ahnen und ihre Heiligtümer 24 . In Ostasien nimmt Berg, Fels und Steinungefähr die Stelle ein, die die Baumverehrung in Westasien und großen Teilen Europaseinnahm. Das erste, was wir daher über die Gartenanlagen anschaulich und technischgenau erfahren, ist die Anlage von künstlichen Hügeln. Waren eben bestimmte Bergeder Natur als ganz besonders glückverheißend verehrt, so ist es sehr begreiflich, wennman solch ein Naturgebilde in seiner Nähe auf eigenem Grund und Boden nachbildete.War der Garten klein, so mußte natürlich auch der Berg in kleinem Maßstabe nachge-bildet werden. In der Malerei gibt es Vorlagehefte für Bergformationen, die in 16 ver-schiedenen schematischen Strichelungen unter uns kaum verständlichen Bezeichnungendie Möglichkeiten traditioneller Formation auf Bildern festlegen 25 . Es ist durchaus wahr-scheinlich, daß ähnliche Schemata auch für die Bergformationen in den Gärten festge-setzt waren. Welch seltsame Formen sie dort bevorzugen, zeigt der wie ein Elefanten-rüssel überragende Felsberg in Hsi-ma-kuangs Garten, eine Bildung, die sehr häufig inchinesischen Gärten wie auf chinesischen Bildern wiederkehrt. Neben den eigentlichenBergen stehen die Steine, die für die chinesische Gartenkunst einen wichtigen Zweigausmachen. Delatour 26 , der im Anfange des XIX. Jahrhunderts den Versuch macht, dasWesen der chinesischen Gartenkunst zu ergründen, erzählt, daß er in seinem Kabinetteine Sammlung von mehreren Hundert solcher Steinzeichnungen besäße, von allen Sor-ten und Farben, die meistens aus einem Stück (Abb. 556) bestehen, andere sind zu-sammengesetzte Pyramiden, etagenförmig, oder Nadeln; mehrere sind unregelmäßigdurchbrochen (Abb. 557); wenn sie felsartig sind, fließt Wasser durch die Öffnungen,sie sind von verschiedenster Größe. Häufig stellt man sie auf Basen oder Holzgestellen,