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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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U.KAP.

Sir William Templc über chinesische Gärten

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ziger Jahren erhalten ihre Autorität auch durch die Unterstützung der ansässigen Jesu-iten. Seit dann vom Jahre 1688 ab, nach der Ankunft der fünf französischen Jesuiten, dieregelmäßigen Berichte und Briefe der Väter nach Paris gelangten 11 , glaubte man nichtnur die Tore Chinas der christlichen Mission für immer offen, sondern die Begierde, bis indie geheimnisvollsten Falten dieser merkwürdigen Kultur einzudringen, wuchs im Aus-lande ins Ungemessene. Wir werden noch sehen, wie die Rückwirkung auf Europa sichin dieser Zeit für unsere Kunst gestaltete. Die erste Hoffnung sollte sich nur zu bald alstrügerisch erweisen, als im ersten Viertel des XVIII. Jahrhunderts die Verfolgungender Christen begannen und mit klugem Zielbewußtsein von dem Kaiser Kienlong,dessen lange Regierungszeit sich über die zwei letzten Drittel des Jahrhunderts er-streckte, durchgeführt wurden. Er behielt in Peking für sich die nützlichen Jesuiten,zog allen Vorteil aus ihrer Gelehrsamkeit, ließ ihnen hohe wissenschaftliche Ämter,ehrte einen Künstler, wie den italienischen Maler Castiglione hoch, ließ sich europäischeHäuser bauen und Gärten anlegen; in ihrem eigentlichen Berufe aber wußte er sievollkommen kalt zu stellen. So geschah es, daß China im XVIII. Jahrhundert sich denFremden zwar völlig verschloß auch die berühmte englische Gesandtschaftsreisedes Lords Macartnay war wirtschaftlich resultatlos 12 aber trotzdem der regel-mäßige Strom von Nachrichten aus dem innersten China niemals unterbrochen wurde.Ja, erst das XVIII. Jahrhundert brachte ein wirkliches Verständnis und fruchtbareVergleichungsbilder mit der abendländischen Kultur. Und diese kurze Skizze charak-terisiert auch die Quellen, aus denen das Bild dieser ostasiatischen Gartenkunst vordem europäischen Auge entsteht. Es ist eine Kunst, deren eigenartige Technik undEmpfindungsweise uns heute vielleicht verständlicher in ihrer wunderbaren, fremd-artigen Blüte entgegentritt, weil wir imstande sind, sie in die große ostasiatischeKunst überhaupt einzureihen; anderseits stehen wir heute am Ende einer europäischenEntwicklung des malerischen Stiles der Gartenkunst, die wir vergleichend mit Ost-asien in ihrem ähnlichen Streben wie in der großen Verschiedenheit ihrer Mittel undEndzwecke begreifen möchten. Den Europäern des XVII. Jahrhunderts aber war Wortund Bildein Landschaftsgarten", von dem die Reisenden berichteten, noch etwasvollkommen Fremdes.

Mit Staunen schreibt darüber Sir William Temple 1685 in seinem Essay, in dem er dieRichtungen der Gartenkunst seiner Zeit mit feinem Empfinden zu einem Blütenstraußzusammenbindet:, ,Es mag ganz unregelmäßige (Gartenformen) geben, die vielleicht mehrSchönheit als die unsern haben mögen ,.... das habe ich gehört von Leuten, die viel unterden Chinesen gelebt haben, einem Volke, dessen Denkweise von der unsern in Europa soweit wie die Landschaft entfernt zu liegen scheint. Bei uns legen wir den Wert der Schön-heit der Bauten und Anlagen hauptsächlich in Proportion, Symmetrie oder Einheit;unsere Wege und Bäume sind so angeordnet, daß sie einander in gewissen Abständen

entsprechen. Die Chinesen spotten dieser Art von Anlagen.....Ihr höchstes Ziel

der Einbildungskraft ist darauf gerichtet, Gestaltungen zu bilden, deren Schönheit großund ins Auge fallend ist, aber ohne Ordnung und Verhältnisse der Teile, die leicht

erkennbar sind.....Und wer die Arbeit der besten Gewänder oder ihre Malerei auf

Wandschirmen oder Porzellan beobachtet, wird ihre Schönheit überall die gleiche fin-den, d. h. ohne Ordnung" 13 . Der folgenden Generation, die in Europa den malerischenStil zur Herrschaft brachte, half gerade ihr geringes Verständnis für das eigentlich