13. KAP.
Haus Neuburg
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Die farblose Photographie hier gibt nur unvollkommen den Eindruck des zierlich Über-ladenen, Spielkastenhaften. Vor dem kleinen Tempel zur Seite, dessen antikisierendeSchnitzerei weiß lackiert ist, steht auf einem tischartigen Postament eine kleine bunt-bemalte Musikbande, die gewiß einst ihre mechanische Musik hat hören lassen. Auchdie übrigen kleinen Holzfiguren sind bunt bemalt und stehen auf Barockpostamenten.Das Mittelstück bildet die Brunnenschale; über einem aus bunten Steinen ausgelegtenHerzstück mit den Emblemen von Glaube, Liebe, Hoffnung trägt sie eine Fama als Be-krönung. Rings ist das in Buchs ausgelegte Parterre mit bunten Blumen gefüllt. Zudem Zierat des XVIII. Jahrhunderts gehört die selten fehlende indische oder chinesischePagode, die auch hier figuriert. So sahen in jener Periode wohl die meisten holländischenPrivatgärten aus, doch werden solche letzte Ausschreitungen, wie in jenem von Riat„Jardin mineralogique" genannten Garten, auch in Holland nur seltsame Kuriosageblieben sein; hier wurde nämlich keine Spur von Vegetation zugelassen, ringsumwaren die Mauern mit bunten Muscheln geziert, das Parterre wurde in roten, weißen,gelben und schwarzen Steinen ausgelegt, als weiterer Schmuck dienten Fayencevasen,vergoldete Vögel, Statuen von Menschen und Tieren in Muscheln; Wasserfälle aus Glasfielen in Bassins von Schildpatt; nur einige Beete mit Tulpen waren zugelassen 84 .
Daß neben diesen kleinen Gärten schon im XVII. Jahrhundert schöne und bedeutendeGärten auch in Holland wie in den ganzen Niederlanden angelegt wurden, versteht sichbei dem wachsenden Reichtum von selbst. Nur muß betont werden, daß in dem großenStile Frankreich sowohl unmittelbar vor Le Nötre wie nachher immer den entscheiden-den Einfluß ausgeübt hat und jeder Versuch, hier die holländische Gartenkunst in einefür Nordeuropa führende Stellung zu rücken, ein verfehlter sein muß 85 . Im Jahre 1668erschien das bedeutendste und vielgelesene niederländische Gärtnerwerk von Van derGroen: „Den nederlandschen Howenier", das, um seiner nützlichen gärtnerischen Winkewillen sofort ins Französische und Deutsche übersetzt, eine große Verbreitung fand.Die 200 Parterrevorlagen zeigen recht deutlich im Vergleich mit den bedeutend früherenfranzösischen von Mollet und Boyceau, wie viel stärker der holländische Geschmack nochauf das Einfachere, Kleinere, wenn nicht Kleinlichere eingestellt ist. Freimütig erkenntman damals die Überlegenheit französischer Methode an. Groen war Gärtner beim Prin-zen Wilhelm von Oranien. Das Haus Neuburg (Abb. 541), das sich Wilhelm IL in derNähe von Rijswick erbaute, kann als ein Musterbeispiel vornehmer holländischer Gar-tenanlagen um die Mitte des XVII. Jahrhunderts gelten. Die völlige Ebene des Terrainsmachte den schon damals von Frankreich streng geforderten Rhythmus und die Ab-wechslung der Anlage nicht leicht. Die ganze breite Mittelachse ist in drei Quadrategeteilt, Parterres, die je durch Brunnen oder andere Statuen zusammengehalten sind.In Frankreich selbst hätte man damals in einem repräsentativen Garten die ein-zelnen Parterres kaum noch mit niederen Zäunchen, mit kleinen Eckpavillons, ab-getrennt. Ein durch Berceaux gebildeter Halbkreis schließt diese Parterres ab. Völligsymmetrisch liegen rechts und links je zwei rechteckige Bassins, durch ein Boskettgetrennt, die vorderen mit schönen Brunnengruppen geschmückt, schmale Boskettszur Seite rahmen den ganzen Garten hübsch ein; die äußere Grenze bildet der vonBaumalleen begleitete Kanal, der das ganze Besitztum umfließt. Die eigentlichenParkbosketts liegen auf der andern Seite des Hauses, dessen beide Seiten giardini secretischmücken.