13. KAP.
Der holländische Garten im XVII. Jahrhundert
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auf der Landseite der Häuser; so zeigt eine Stichsammlung 81 des Diemermeeres einegroße Mailbahn, die zu gemeinschaftlicher Benutzung der Anwohner sich hinter denHäusern mit mehrreihigen Alleen hinzieht. Diese Art der Bebauung mit Vorstadtvillenund Gärten ist eine durchaus typische in Holland, die sich oft meilenweit hinzog undauch heute noch häufig anzutreffen ist.
Einen weiteren großen Einfluß auf die Gartenentwicklung in Holland gewann dieArt seiner Blumenzucht, durch die es sich im Beginn des XVII. Jahrhunderts in dereigentümlichen Verquickung mit Handel und Spekulation lange Zeit einen unbe-strittenen Weltruhm erwarb. Es ist schon früher erwähnt worden, wie schnell gegendas Ende des XVI. Jahrhunderts die Zwiebelgewächse in dem botanischen Interesseden ersten Platz einnahmen. Hollands Handel hatte sie bald zum Mittelpunktdes Blumenmarktes gemacht. Wie sich dann weiter die Spekulation bis zum tollenSchwindel des Terminhandels der Zwiebel, besonders der Tulpen, bemächtigte, ver-dient nur noch der Kuriosität halber Erwähnung, gehört aber nicht mehr der bota-nischen Sphäre, geschweige der der Gartenkunst, zu. Doch hat die Leidenschaft für dieBlüten der Blumenzwiebeln auch die holländische Gartenkunst beeinflußt. Sie hatdiesen Garten zwar vor der Blumenfeindschaft bewahrt, die zeitweilig das franzö-sische und englische Parterre beherrscht, hat aber auch den Beeten eine besondereSteifheit und nicht zum mindesten eine Neigung zu großer Buntheit verliehen. DieseGewöhnung des Auges an die vielfachen, leuchtenden Farben der vergänglichen Blütenhat gewiß auch dazu beigetragen, daß der Holländer für die verhältnismäßig langenZeiten, in denen er das Blühen seiner Lieblingsblumen entbehren mußte, einen Ersatzbrauchte. Die bunten Kugeln, die in allen Farben das Bild des Gartens widerspiegeln,sind zwar nicht eine holländische Erfindung, der Renaissancegarten aller Länderschmückte sich gerne mit solchem Zierat, man denke an eine Gartenschilderung wiedie Bacons; doch erst hier, auf einen kleinen Raum zusammengedrängt, im Bundemit Glockenspielen, der bunten Erde und den noch bunteren Statuen, drängte sichdieser Schmuck so auf, daß der übersättigte Geschmack sich später zu gewaltsamerÄnderung gedrängt fühlte. Die Statuenplastik im Holland des XVII. Jahrhundertsfand in den Gärten eine Stätte, in der sie sich als ein Nebenzweig der großen Kunst derMalerei zu äußerstem Realismus entwickelte. Wir haben auch in andern Ländern ge-sehen, wie mit den ersten Anfängen des Barocks eine naturalistisch genrehafte Plastikin den Gärten, die schon Alberti nicht abgelehnt hatte, Eingang fand, in Italienfüllte sie später die Lücken aus, die die Museen in den hohen plastischen Schmuckder Gärten rissen. Doch blieben ihre Leistungen dort immer sparsam, mit anderenBildern gemischt; auch in den Ländern jenseits der Alpen hat sich diese Plastik mit denreinen Idealgestalten der Götter und Nymphen teilen müssen. In Holland aber drangder Naturalismus mehr und mehr herrschend durch und machte sich noch bemerk-barer durch die Buntheit der Bemalung, der nicht selten auch noch eine mechanischeBewegung und Ton zugesellt war. Um möglichst viel Schmuck in die kleinen Gärtenhineinzuzwängen, wurden diese Genreszenen häufig in kleinem Format gebildet, eineAnhäufung von groteskem Baumverschnitt vollendete endlich den eigenartigen An-blick dieses Gartens im XVII. und XVIII. Jahrhundert.
Der Eindruck wurde natürlich noch aufdringlicher, wenn er sich dem Auge des Reisen-den, der gemächlich auf der Wasserstraße vorüberfuhr, hundertfach immer wiederholte,
20 Gothein, Gartenkunst II