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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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La Granja, Ildefonso

U.KAP.

SPANIEN

KARL BOURBONS unmittelbares Vorbild für Caserta waren aber nicht die ita-lienischen Villen, ja nicht einmal direkt Versailles, sondern der Garten, in dem erals Knabe aufgewachsen war: La Granja in San Ildefonso, im Nordwesten vonMadrid. Buen Retiro war in Spanien, wie wir sahen, die letzte große Schöpfung der Renais-sance gewesen. Nach Philipps IV. Tode war unter seinem völlig schlaffen, schwächlichenSohne alles Leben in Spanien mehr und mehr eingeschlafen. Im Jahre 1665 brannte Aran-juez gänzlich aus. Der König ließ es seine ganze Regierungszeit über in Trümmern liegen;eine Tatsache, die für viele spricht. Nach der Beendigung des Erbfolgekrieges ist mitdem Hause Bourbon der französische Einfluß in Architektur und Gartenkunst auch hiervöllig zum Siege gelangt. Es ist sehr bezeichnend, daß, obgleich der tief melancholische,gänzlich willens- und herrschunfähige Monarch Philipp V. von seiner Gemahlin, einer Ita-lienerin, der farnesischen Prinzessin Elisabeth von Parma, vollkommen beherrscht wurde,und obgleich sie natürlich als ihre Ratgeber und möglichst auch als Künstler Italienerbevorzugte, es doch gar keine Frage war, daß den Park von Ildefonso französische Künst-ler, Carlier und Boutelet, anlegen mußten. Umgekehrt aber lehrt die ganze Entstehungs-geschichte dieser Sommerresidenz, wie sehr dieser französische Enkel Ludwigs XIV..nachgiebig und beeinflußbar wie er war, der eigentümlich geistig-geistlichen TraditionSpaniens unterlag. Der König hielt sich nach Beendigung des Erbfolgekrieges in einemalten, schön gelegenen Jagdschloß der kastilischen Könige am Westabhang der Sierra deGuadarama auf; von hier besuchte er die höher im Gebirge gelegene Eremitä von SanIldefonso. Dort hatte schon Heinrich IV. im Jahre 1477 eine Meierei neben der Eremi-tage erbaut und diese den Mönchen von Porral als Sommeraufenthalt geschenkt. KönigPhilipp, schon damals tief melancholisch und nur noch gewaltigen Natureindrückenund Musik wirklich zugänglich, war begeistert von der Schönheit des Ortes, der inalpiner Höhe von 1191 m von dem gewaltig aufsteigenden Gipfel der Pico de Penalaraüberragt wird. Er beschloß sofort, sich hier ein Unterkunftshaus zu bauen, das denKeim bildete, um den herum sich das mächtige Schloß und der große bedeutsame Gar-ten entwickeln sollten. Wir denken an den Wunsch Ludwigs XIV., der sich auch eineEinsiedelei in Trianon, in Marly erbauen wollte, aus denen Schloß und Park hervorwuch-sen. Aber hier in Spanien ward sein Enkel doch in andere Bahnen gelenkt. Mit den un-mittelbaren Erinnerungen an Versailles verband sich der ganzen Gemütsanlage des Für-sten entsprechend doch der Gedanke an den Escorial, und dieser hat zum mindesten dieGruppierung der Schloßbauten sehr stark beeinflußt.

Man hat mit Recht behauptet, daß der Kern, um den Ludwig XIV. sein ganzesungeheueres Schloß zu Versailles gruppierte, sein Schlafzimmer gewesen sei. Zum min-desten waren es seine Privatzimmer in dem alten Schlößchen Ludwigs XIII., die immerder zwingende Mittelpunkt für alle Erweiterungsbauten blieben. In Ildefonso bildet diesenMittelpunkt die alte Meierei mit ihrem Klosterhof, dem Patio de la Fuente, an den sichnordwestlich die große Collegiatakirche anschließt, die den Palasthof vollkommen be-herrscht; sie wurde als erste erbaut und schon 1724 eingeweiht. La Granja 78 , die Meierei,war auch der Name, den das ganze Königsschloß immer behielt. Daß der Park, an demman 20 Jahre mit allem Fleiß und Anstrengung arbeitete, im Wetteifer mit dem Welt-vorbilde Versailles gestaltet wurde, daran kann wohl kein Zweifel sein. Was den Kampf,