13. KAP.
La Granja, Ildefonso
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die Überwältigung der Natur durch Kunst, anbetrifft, kann La Granja wieder mehr mitMarly verglichen werden. In ganz anderem Maße als in Versailles waren hier ungeheureErdarbeiten notwendig, um in dem hohen Gebirgstale die ebenen Terrassen und Flächenfür Gartenanlagen zu schaffen. Eines war im Überflusse zu haben: Wasser, und dieses hatman auch in einem Reichtum verwendet, daß die Phantasie der Künstler nicht genug be-wundert werden kann. Ein schützendes Schicksal hat diesen bergumgürteten Garten vorden Stürmen bewahrt, die über die französischen Schlösser verderblich hingebraust sind,so daß auch noch heute das meiste in seinem alten Zustande erhalten ist. Und die Na-tur, die sich hat meistern lassen, hat doch mit ihrem herrlichen Pflanzenwuchs, denwundervollen Bäumen und dem ewigen Rahmen ihrer Bergriesen der Kunst eine Schön-heit verliehen, die Ludwigs allmächtiger Wille nicht einmal dem anmutigen Tale vonMarly, geschweige denn der einförmigen Sumpfebene von Versailles, verleihen konnte.Den künstlerischen Gedanken aber, der mit seinem großen, gewaltigen Wurfe die WerkeLe Nötres durchdringt, haben die Künstler von Ildefonso auch nicht entfernt erreicht.
Der Garten steigt südöstlich und südwestlich stark an, so daß das nordöstliche Terrainbedeutend niedriger liegt. Das Hauptparterre (Abb. 531) ist verhältnismäßig einfachbehandelt und macht im Verhältnis zu den andern Wasserkünsten durchaus nicht denbeherrschenden Eindruck, den in Frankreich der Blick aus den Mittelfenstern desHauptschlosses verlangt. Ein halbrundes Bassin, das die beiden Parterrebeete ab-schließt, mit einem Amphitritebrunnen, liegt am Fuße einer Marmorkaskade, die aufihrer Höhe einen schönen zweischaligen Grazienbrunnen trägt. Die Aussicht wird da-hinter durch ein hübsches achteckiges Gartenhaus abgeschlossen. Dieser Garten wirktfür sich allein, zur Seite durch Statuen und heckengeschmückteEcken begrenzt, über denendie hohen, einst stärker verschnittenen Bäume ragen, fast von den andern abgeschlossen.Der Hof Philipps V. hatte den Gedanken eines Repräsentationsgartens, der als alles be-herrschende Mittelachse jeden Teil der unendlichen Fülle der übrigen Gartenmotive sichunterordnet, aufgegeben. Das XVIII. Jahrhundert mit seiner immer stärkeren Neigung,sich zu beschränken, zusammenzuziehen, ist doch auch hier deutlich bemerkbar, öst-lich vom Palaste führen Rampentreppen in ein tieferes, vom Kanal an einer Seitebegrenztes Parterre, das, in der gleichen Richtung neben dem Hauptparterre verlaufend,in einer weit glänzenderen Wasseranlage endet (Abb. 532). Ein stufenweis aufsteigendesBassin schmückt zuerst ein Neptunbrunnen (Abb. 533), dahinter Amoretten auf See-pferden reitend, Carreros de Caballos genannt, ein Motiv, das später weit gewaltiger Karlin Caserta anwandte; es diente als Perspektive von den Seitenfenstern des Schlosses. Einweiteres Parterre, auch in gleicher Achsenrichtung, schließt sich östlich hieran und endetin dem Andromedabrunnen, einem Werk von unglaublicher Kühnheit in der Anordnungder Figuren, das die ganze übermütige Gelöstheit jener Plastik zeigt. Ein Labyrinth ohnegroße Bedeutung bildet hier noch eine Anziehung in den östlichen Bosketts.
Der ganze Westen des Parks wird von einer in ihrer Art bedeutsamen Anlage ein-genommen, in der sich spanische Tradition mit einem freieren französischen Geiste ver-bindet. Den Mittelpunkt bildet ein achteckiger, großer Platz, von dem acht Alleen, „ochocalles", ausgehen. Ihn ziert eine Gruppe, Apollo undPandora. Je zwei der Alleen sindstetsvon einem Brunnen, den ein mächtiger Marmorbogen überwölbt, zusammengehalten. AmEnde, als Zielpunkt dieser Alleen, vier näher, vier weiter entfernt, ist ebenfalls je ein be-deutsamer Brunnen aufgestellt, der für sich wieder den Mittelpunkt eines runden Platzes