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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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13. KAP.

Der französische Einfluß in Italien

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Zarskoje-Selo, das Schloß Katharinas II. sah, er zum Schluß geäußert habe, es fehlenichts als ein Futteral, um das Kleinod vor Wetterunbill zu schützen 74 . Mit dem Baudieses letztgenannten Schlosses hatte die kurze Herrschaftszeit des französischen Gartensin Rußland auch schon ein Ende. Katharina, die moderne Herrscherin als solche, legteden Garten von Zarskoje-Selo bereits in englischem Geschmack an, als ein erstes viel-bewundertes Werk dieses neuen Stiles.

Für alle diese Länder Nordeuropas bedeutet der Garten des XVIII. Jahrhunderts denHöhepunkt ihrer Kunst überhaupt. Wir haben keine reiche Entwicklung neuer Ideenmehr gefunden, aber die französische Kunst nahm in ihrem weitgespannten Rahmenviel von der Landeseigenart und Geschmacksänderung dieses Jahrhunderts im ein-zelnen auf. Abwechslung war ja das Losungswort, das sie an ihrer Spitze trug. Aber diesevariete mußte sich doch der festen, in den Hauptlinien einförmigen Gestalt fügen. Wiedie wirtschaftliche und politische Gestaltung Nordeuropas der Entfaltung der Garten-kunst in diesem Jahrhundert den notwendigen Boden bereitet hat, sahen wir auf Schrittund Tritt.

ITALIEN

NICHT so geneigt dieser ganzen Entwicklung finden wir die südlichen Länder, be-sonders Italien. Wohl hatte Italien im XVII. und XVIII. Jahrhundert die Führer-schaft an Frankreich abgegeben; mit vollem Bewußtsein empfand es diese Über-legenheit. Le Nötres Kunst sollte hier das Unmögliche geleistet haben, und Villen wiedie Ludovisi und Albani, die eine längst vor seinem Auftreten, die andre lange nachseinem Tode geschaffen, sollten sein Werk sein. Diese römische Kritiklosigkeit war aberauch das beste Zeichen, daß Le Nötres Geist und sein nordisches Stilempfinden denRömern glücklicherweise gar nicht aufgegangen war. So nur war es möglich, daß noch1740 in der Villa Albani eine echt römische Villa geschaffen werden konnte. GewisseKonzessionen, die der Kardinal an den herrschenden Zeitgeschmack machte, müssensich etwas schüchtern, und unverstanden im wahren Sinne des Wortes, in die Eckedrücken. Der kleine tiefer liegende Garten hinter dem sogenannten Kaffeehaus machtden Versuch, eine Art von Parkboskett zu schaffen. Seitlich vom Kaffeehaus führenTreppen herab auf die künstliche Ruine, von der schon die Rede war, und die als Vogel-haus eingerichtet ist. Die Hinterseite des Kaffeehauses trug einen ländlichen Charakterund schaute auf eine Kaskade, die in ein länglich kanalartiges Bassin herabstürzte.Dieser Kanal aber läuft zwischen Mauern auf das hintere Eingangstor des Gartens. Dieganze kleine Anlage hätte in einem nordischen Park ihre richtige Stätte gefunden,nimmt sich aber hier, überall von Mauern umschlossen, gar seltsam aus, wenn man ausden echt römischen Anlagen der oberen Terrassen herabsteigt. Was damals von klassi-zistischen Veränderungen in einigen der größeren Villen vorgenommen wurde, ist auchschon früher angedeutet worden; es war selten ein Fortschritt, wenn auch nicht so ver-derblich wie der immer näher drohende englische Landschaftsstil.

Eine größere Bedeutung sollte der französische Stil für Norditalien erhalten. Demebenen Terrain der lombardischen Felder war diese Kunst weit gemäßer. Der immerstärker französierte Adel Mailands, Turins suchte sich die Vorbilder für seine Villen da-mals ebenso wie die Länder jenseits der Alpen in Frankreich, und auch die Terra ferma

19 Gothein, Gartenkunst II