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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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13. KAP.

Peterhof

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doch schon im nächsten Jahre in Petersburg starb, ohne noch einmal recht zum freienSchaffen gekommen zu sein. Besser ging es darin dem französischen Meister Le Blond,der vomZaren gleich mit einer ganz großen Aufgabe betraut wurde. Gegenüber der Stadt,an der Südküste des Meerbusens, hatte sich der Zar ein kleines Häuschen am Strande er-baut, ehe er, von der schönen Lage gereizt, im Jahre 1715 beschloß, sich auf der natür-lichen 12 m hohen Terrasse, mit der das Hügelland etwas landeinwärts abfällt, ein Lust-schloß, das er Peterhof nannte, zu erbauen (Abb. 525). Natürlich sollte es im Wetteifermit der französischen Residenz aufwachsen, daher wurden auch sofort französischeKünstler berufen. Die Pläne kamen direkt aus Paris, und Le Blond durfte sich nun unver-züglich an das Werk des Schlosses und des Gartens machen. Der große Vorteil war hier,daß man mit Erdarbeiten sich nicht viel aufzuhalten brauchte; nur die Anpflanzung derVegetation war keine Kleinigkeit. Ganze Schiffsladungen von Bäumen und Pflanzenwurden herbeigefahren. DasInnere Rußlands lieferte Ul-men und Ahorn, von denenman, wie erzählt wird, 40 000Stück herbeiführte, dazukamen Buchen, Linden undObstbäume aus dem WestenEuropas und manche aus-ländische Exemplare, dieaus den entfernten Teilender Erde herbeigeschafftwurden und trotz des langenWinters gut gediehen undgedeihen. Damit wurde derganze untere Teil vom Meerebis zu der natürlichen hohenTerrasse bepflanzt und alsPark angelegt, mit einerFülle verschiedenartigster Brunnen, die die Kreuzungswege der großen Alleen betonen.Eine Querallee führt von einem kleinen Schlößchen, Monplaisir, das Peter am Strande inholländischer Manier mit einem kleinen zierlichen Gärtchen angelegt hatte, bis zu einemzweiten kleinen Bau, der mitten in einem Bassin liegt, Marly genannt, also ein fran-zösischer Anklang. Hinter dem Marlybassin fällt über goldene Stufen eine Kaskadeglitzernd herab. In den Bosketts finden sich neben manchen andern Wasserscherzen auchweinende Bäume Madame de Montespan wußte wohl kaum, wie anregend sie mitihrem Boskett wirken würde. Aber Peter hatte auch sonst das Phantastisch-Märchen-hafte gern; in seiner kleinen Eremitage war ein wahrhaftesTischlein deck dich", dasauf ein Glockenzeichen aus der Erde aufstieg und wieder verschwand. Dieser Parkwurde in der Mittelachse vom Schloß aus durch eine großartige Wasserstraße in zweiHälften zerlegt (Abb. 526). Von der Terrasse vor dem Schlosse fällt eine Doppelkas-kade, die eine Grotte flankiert, auf je sieben Stufen von buntem Marmor, die voneiner Reihe von vergoldeten Statuen begleitet waren, in ein breites Bassin herab. Indiesem reißt auf einem Felsen Simson dem Löwen den Rachen auf, der eine mächtige

Abb. 525

Peterhof,Rußland,Kaskade undobere Gärten

Stich vonSuboff