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Der Sommerpalast in Petersburg
13. KAP.
Anfange des XVIII. Jahrhunderts an. Ähnlichen Grundriß zeigt das Schlößchen vonHirschholm, das auch inmitten eines Sees, auf Inseln, die miteinander durch Brückenverbunden sind, liegt; auch hier entfalten sich Schloß und Parterres in axialer An-ordnung auf Inseln, während die Bosketts rings die Ufer umschließen (Abb. 523). Eintypisches Schloß französischer Gestaltung ist Fredensborg (Abb. 524), das zum An-denken an den dänisch-schwedischen Frieden nach 1720 erbaut wurde. Der Garten undPark gilt noch heute als der schönste Dänemarks. Das Schloß liegt hoch über dem Es-sommersee, zu dem sich die Anlagen östlich, linker Hand vom Schlosse, herabziehen.Der Garten zeigt manch eine Ähnlichkeit mit Hampton Court, doch schließt sich diehalbkreisförmige Planentfaltung noch origineller mit dem Gebäude zusammen. Diesesumgibt einen achteckigen Hof; von der Gartenfront erblickt man sieben Alleen, diein den Park strahlenförmig hineinlaufen, zuerst aber Platz für ein halbrundes Par-terre und rechts und links für zwei heckenumschlossene Bosketts lassen. Eine halbrundeLindenallee läuft um diese Zieranlage und begrenzt die Alleen. Der Mittelweg ist ähn-lich wie in Versailles aus vier Reihen Bäumen gebildet, die einen breiten Prospekt überRasenstücke, die mit Statuen geschmückt sind, freilassen. Statt des überleitenden Ka-nals ist hier der Spiegel des Essommersees als Hauptreiz der Aussicht benutzt. Erbildet auch überall den Abschluß und Ausblick der Westalleen, die sich zu ihm herab-senken 72 .
RUSSLAND
VIEL später als irgendeines der bisher behandelten Länder tritt Rußland in die Ge-schichte der Gartenkunst ein. Hier kann von einer eigentlichen Kunst der Anlagenvor Peter dem Großen, dem ersten Drittel des XVIII. Jahrhunderts, kaum dieRede sein. Die Nachrichten über die kaiserlichen Sommerresidenzen um Moskau sindspärlich genug. Es sind noch bis zu Ende des XVII. Jahrhunderts durchweg hölzerne Ge-bäude, die häufiger Feuersgefahr ausgesetzt waren, zum großen Teil aber auch erst unterPeter dem Großen wirkliche Kunstgärten als Umgebung erhalten haben. Nach der Grün-dung von Petersburg aber erstanden mit der Errichtung der Paläste des Kaisers und derGroßen seiner Krone auch gleich die Gärten, deren Vorbilder der Zar auf seinen Reisenin Holland, England und Deutschland kennen gelernt und studiert hatte, und die er nundaheim wohl besser gegen seine Barbaren zu schützen gewußt hat, als die fremden, die erauf seinen Reisen heimsuchte. Bei dem heute ganz verschwundenen Sommerpalast in derStadt legte er 1714 auf der sogenannten Admiralitätsinsel, die von der Newa und ihrenkanalisierten Armen gebildet wird, einen großen Garten an. Hier wandten er und seineNachfolger alle die vielgestaltigen Motive, die der Stil der Zeit ihnen lieferte, an. DieParterres mit ihrem Wasserschmuck, Kaskaden und Vexierwassern, die Bosketts mitihren hohen Spalieren wurden damals mit den Werken berühmter italienischer Bild-hauer geziert; auch an Antiken wurde herbeigeholt, was man noch irgend erwerbenkonnte. In dem Park erhoben sich verschiedene Lusthäuser, auch ein Boskett mit äso-pischen Fabeln als Springbrunnen nach Versailler Vorbild fehlte nicht und ebensowenigeine Menagerie mit kostbaren Tieren. An der Grotte, die Peter errichtete, wie an denWasserwerken beschäftigte er den großen Berliner Baumeister Schlüter, der 1713 grollenddie Heimat verlassen hatte, um in des Zaren Diensten ein neues Wirkungsfeld zu finden,