13. KAP.
Sanssouci
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sich eine Obst- und Weinplantage geschaffen, die er Amalthea nannte, ein Name, derzeigt, wie sehr er seinen Cicero mit Liebe und Verständnis las. In Rheinsberg machteer noch ein anderes Experiment: hier hatte er sich einen Weingarten in Form einesLabyrinths, mit einem Bacchustempel in der Mitte, anlegen lassen 64 . In Sanssouciwollte der König nun nicht mehr und nicht weniger als einen Weinberg zum Mittel-punkte eines großen Lustgartens machen. Ob Friedrich anfangs überhaupt nur einenWeinberg hat schaffen wollen, mit einem kleinen Gartenhause, wie ja auch der anfäng-liche Name „Vigne" darauf hinweist, darauf kommt es hier nicht an, um so weniger als,dem Grundplan des wirklich erbauten Lusthauses gemäß, auch der Garten schon imersten Jahre eine bedeutende Ausdehnung annahm. Die Hauptsache ist, daß in diesemJahrhundert, das den reinen Lustgarten, mit Verbannung aller und jeder eigentlichen
Abb. 512Sanssouci,Potsdam,Terrassen-garten
Nach Dohme
Gartenkulturen, zu seiner letzten Aufgabe gemacht hat, wo jeder kleinste Fürst undreiche Privatmann in diesen Luxusgärten eine Schaustellung ihrer Macht und ihresVermögens erblickten, dieser König unbekümmert auf eine Gartenstufe zurückgriff,die als längst überwunden und versunken galt. Und wie einst jener erste Garten ge-schaffen wurde, von dem in uralten Zeiten die Ägypter uns Kunde geben, schuf derKönig einen Plan, der um eine Weinkultur als Zentrum alles andere gruppiert. Fürdiese Weinbergterrasse (Abb. 512), auf deren Höhe der König sein anmutiges Lust-schloß errichtete, wurde mit allem Bedacht die beste südliche Lage ausgewählt; umden Trauben die günstigste Sonne zu geben, wurden die Futtermauern schräg abge-stützt, erhielten sie ihren parabolischen Verlauf, um für die edelsten Sorten im nordi-schen Klima jeden Sonnenstrahl aufzufangen; Fenster schützten sie im Winter vorFrost. Um den Kern dieser Weinkultur entfaltete nun Friedrich alle Kunst, die dieStilvollendung seiner Zeit ihm zu Gebote stellte. In der Mitte der ausgebogenen Ter-rassen, die schon ihr Zweck zu schöner Linienführung zwang, steigen breite Frei J
18 Gothein, Gartenkunst II