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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Monbijou bei Berlin

13. KAP.

Abb. 511

Monbijou

bei Berlin,

Grundriß

Nach Seidel

Diese Gartenliebe war eine Erbschaft seiner Mutter, die ihren Sommersitz, ein kleines,aber überaus reizendes, an der Spree bei Berlin gelegenes Schlößchen, zu einem wahrenJuwel gestaltet hatte, das seinen Namen Monbijou mit Recht trug (Abb. 511). Noch biszum Jahre 1725 war es nur ein kleines, mitten im Garten gelegenes Lusthäuschen, einwahres Trianon, zu gleichem Zwecke und in gleichem Geiste ausgestattet, mit Porzellanund kleinen erlesenen Kunstwerken. Lattenwerkgänge mit Pavillons begleiteten es nachbeiden Seiten 62 . Von dem etwas erhöht liegenden Schlößchen zog sich zum Fluß herab einzierlichesBlumenparterre mit Springbrunnen und anmutigen Seitenkulissen. Zwei Garten-häuschen, Gitter und Treppengängegrenzten es nach dem Fluß zu ab.Nach der Straße zu war der Gartenin Bosketts angelegt, die unmittel-bar vor der Hausfassade einengroßen Platz, wahrscheinlich fürSpiele, frei ließen. Zur Seite lag dieOrangerie mit ihrem Parterre, ihrgegenüber eine kleine Menageriefür einheimische Tiere. Im Jahre1717 hatte dieses Schlößchen eineGefahr durch den Besuch des ZarenPeter zu erleiden, der hier mit sei-nem Hofstaat ein paar Tage ein-quartiert wurde. Man wußte freilichschon, was für Gäste zu erwartenwaren, die Königin hatte daheralles Zerbrechliche vorher entfer-nen lassen. Trotzdem sah Hausund Garten nach ihrer Abreise „wiebei der Verwüstung in Jerusalemaus" (Markgräfin von Bayreuth),und die Königin mußte es ganzvon Grund herrichten lassen. DiesesHaus bewohnte die kunstliebendeMutter Friedrichs des Großen46 Jahre, und sie hat Schloß und Garten in dieser Zeit unaufhörlich vergrößertund geschmückt, ohne seinen Grundgedanken zu ändern.

Als Friedrich der Große zur Regierung kam, wollte auch er sich in der Nähe von Berlineine kleine Eremitage nach seinem Sinne schaffen. Er erwählte dazu den Hügel gegen-über dem Marlygarten seines Vaters und legte im Jahre 1744 den Grundstein zu seinemLustschloß Sanssouci. Sanssouci 63 würde schon als die eigenste Schöpfung Friedrichs desGroßen einer besonderen Beachtung wert sein, doch nimmt es auch in der Geschichte desGartens ein eigenartiges Blatt ein. Des Königs Wesen, das eine glückliche Mischung derauseinanderstrebenden Eigenschaften seiner beiden Eltern zeigt, spricht sich deutlichauch in dieser Lieblingsschöpfung aus. Friedrich beschäftigte sich schon als Kronprinzmit Vorliebe mit Obstkultur; in dem kronprinzlichen Garten in Neuruppin hatte er