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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
226
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22Ö

Poppelsdorfer Schloß

13. KAP.

mitten eines kreisrunden Teiches, das eine Art Mittelding zwischen dem alten Schnecken-berge und einem chinesischen Turm bildet. Der Schloßpark zu Brühl zeigt, ohne daß erdie großen Richtlinien, die der französische Garten vorschrieb, verließ, doch stärker alsdie meisten Anlagen in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts allerlei Einflüsseeines neuen Stiles. Einzelne Bosketts, besonders um das chinesische Haus, weisenSchlangenlinien auf, allerdings wieder selber noch unter dem Zwange der Symmetrie.Die große Bedeutung der kleinen geistlichen Fürsten für ihr Land lag nicht nur inder einzelnen Schloßanlage, sondern mehr noch in der Verschönerung und Kultivierung

Abb. 468

SchloßgartenBrühl,

Schneckenhaus

Stichvon Mettelnach Metz

ihres ganzen Gebietes, das nicht so groß war, daß es nicht leicht zu übersehen gewesenwäre. Und gleich den alten Römern hatten die geistlichen Herren das Bedürfnis, über-all, wo sie hinkamen, ihren gewohnten Luxus anzutreffen; ließ sich doch Clemens Josephvon Köln für seine Reisen eincorps de logis portatif" konstruieren, das der französischeArchitekt und Dekorateur Oppenord herstellen mußte; leider hat sich davon keineSpur erhalten. So erbauten sich diese Herren an allen schönen Punkten ihres GebietesLust- und Jagdhäuser und legten, um auf bequemen Wegen von einem zum andernzu gelangen, Straßen und prächtige Alleen an, die das ganze Land parkartig gestal-teten. Clemens August führte von seiner Bonner Residenz eine vierreihige Allee nachdem Poppelsdorfer Schlößchen, einem köstlichen kleinen Zentralbau mit einem rundenoffenen Hof im Innern, ein Motiv, das wir in Spanien und Italien öfter angetroffen haben.Schloß und Garten ist ein Werk des Erbauers des Bonner Schlosses, Robert de Cotte.Das Haus wurde später vielfach verunstaltet, und von dem Garten weiß man wenig;