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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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13. KAP.

Brühl

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iffil

Abb. 467Schloß Brühl,ChinesischesHaus

Original-zeichnungvon Metz

des Eigentümers und die erste Sorge des Architekten ist, einen Garten zu pflanzen,ehe er mit den Gebäuden beginnt", charakterisiert Blondel 20 in seinemCours d'archi-tecture" die Stellung des Gartens in der Architektur. Jedenfalls mußte Haus undGarten unauflöslich zusammen erdacht werden. Clemens holte sich die beste Hilfe,die er haben konnte: Girard, der seit 10 Jahren seine Kunst und Erfahrung in Schleiß-heim und Nymphenburg glänzend bewährt hatte. Girard machte die Pläne für denSchloßpark von Brühl und ist auch selbst zur Überwachung der Ausführung öfterdagewesen (Abb. 466). Auch hier ist das Wasser, besonders als Kanal und Wasserspiegel,mit großem Reichtum verwandt, doch ist die Verteilung für jene Zeit eine ungewöhn-liche. Nicht nur ist das ganze, ziemlich unregelmäßige Gartenstück von Kanälen um-flossen, die auch einzelne Bosketts umgeben, was an französische Renaissancegärtenerinnert, vor allem ist der große kreuzförmige Kanal, in dessen Kreuzungspunkt einekleine Insel liegt, nicht in der Verlängerung der Parterres, sondern in der Achse desEhrenhofes, in den man wiederum auf einer Brücke über einen schmalen Kanal gelangt,erbaut. Auch die Lage des Parterres zur Seite des Südflügels, dessen Gartenfront einebreite, zweiflügelige Terrasse vorgebaut ist, hat etwas Fremdartiges. Das Parterre selbstist vornehm und großzügig und zeigt eine Wasser- und Beetverteilung, die deutlich dieHand Girards verrät, nur fehlt gerade hier der weite Wasserblick der beiden bayrischenGärten 21 . Auch die vielen kleinen Bauten, die den Park beleben, erinnern an Nymphen-burg, doch erscheint hier alles zufälliger gelöst. Das reizende kleine Kasino Falkenlustliegt am Ende einer Seitenallee, die von dem großen Mittelstern des Parkes ausgeht.Näher dem Schlosse befindet sich eine amüsante kleine Anlage eines chinesischen Hauses,sehr charakteristischmaison sans gene" genannt (Abb. 467). Das Bedürfnis der In-timität und Gelöstheit von den immer lästiger werdenden Repräsentationen macht sichim großen und kleinen wachsend im Laufe des XVIII. Jahrhunderts geltend. Manwußte jetzt schon etwas mehr von chinesischer Bauart als bei dem Bau von Trianon undder Pagodenburg, dies Häuschen erhielt schon geschweifte Dächer, mit Glocken be-hängen. Ein ganz barockes Gebäude ist das sogenannte Schneckenhaus (Abb. 468), in-

15 Gothein, Gartenkunst II