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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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13. KAP.

Ludwigsburg bei Stuttgart

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^466. 465 b

SchloßLudwigsburg

bei Stuttgart

Nach Frisoni

häuser, die als Mittelpunkt das Residenzschloß umgaben und heraushoben, war daserste Gebot. An sich hat der Karlsruher Garten, auch nachdem er später hinterdem Hause bei dem Schloßumbau vergrößert wurde, niemals besondere Bedeutunggehabt.

Hierin war ihm bei weitem der prächtige Garten überlegen, den sich Karl WilhelmsNachbar, der Herzog Eberhard Ludwig IV. von Württemberg, zu gleicher Zeit inLudwigs-burg bei Stuttgart erbauen ließ (Abb. 465 a u. b). Die Anordnung des Parkes auf derdem Lustgarten entgegengesetzten Seite hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Karlsruhe.Was aber dem Karlsruher Garten ganz fehlt, das Wasser, ist hier in einer Reihe präch-tiger Kaskaden gestaltet, die nach der Parkseite das Hauptschloß mit dem kleinenKasino Favorite auf der Höhe verbinden. Auch auf der andern Seite steigt der be-sonders große und reiche Lustgarten ein wenig an, so daß das Schloß an tiefster Stelleliegt. Auf einer der höheren Terrassen lag das berühmte Orangeriehaus, durch dessenInhalt die Württemberger Fürsten schon ihre Renaissancegärten ausgezeichnet hatten.Der Baumeister, der dem Garten die letzte Gestalt gab, war ein Italiener, D. GiuseppeFrisoni, der seine Laufbahn als Stuckarbeiter begonnen, seine Erfahrungen aber aufReisen in Frankreich gesammelt hatte 18b .

Mit den weltlichen Fürsten begannen bald die geistlichen zu wetteifern, sie hattenihre Herrschaftsrechte schwer aus den Religionsstreitigkeiten Deutschlands zu retten ver-mocht. Nachdem aber im Süden und Westen der Westfälische Frieden ihnen Exi-stenz und Sicherheit wieder dauernd verbürgt hatte, fühlten sie mehr und mehrdie Notwendigkeit, das Souveränitätsgefühl, das sie, als Fürsten von Geblüt undStandesherren, zu ihrer geistlichen Würde hinzubrachten, auch äußerlich wie ihreweltlichen Vettern zum Ausdruck zu bringen. Der Krieg hatte ihre Länder als dieewig strittigen besonders tief getroffen; meist kamen sie in ein völlig zerrüttetes Be-sitztum; schon die reine Notwendigkeit, eine Residenz zu haben, zwang sie zu bauen.Die Bauleidenschaft, die sie fast alle beseelte, kann man nur mit der der römischenKirchenfürsten der Renaissance vergleichen. Ähnlich wie bei diesen war gerade die Gewißheit, daß sie ihre Werke nur für die kurze Regierungszeit schufen, ohne die Zukunftirgendwie bestimmen zu können, ein Sporn, für diese bemessene Spanne Zeit das äußerstezu tun und ihren Namen mit der Größe und Pracht ihrer Bauten zu verbinden.