222
Karlsruhe
13. KAP.
Abb. 465a
Schloß
Ludwigsburg
bei Stuttgart
Nach Frisoni
häufig als Jagdaufenthalt. Leider sind seit 1803 alle diese anmutigen Rokoko-häuschen, die so dringend ihre alte Umgebung verlangen, in den englischen Park,dem die alten Anlagen zum Opfer fielen, hineingezogen worden. Nur die Kanal-linien, Bassins und das jetzt magere und schmucklose Parterre lassen den alten Plannoch erkennen.
Wie sehr der Gartengedanke das XVIII. Jahrhundert — das Jahrhundert der Fürsten,wie man es wohl nennen darf—beherrschte, zeigt die Entstehungsgeschichte des Fürsten-sitzes von Karlsruhe (Abb. 464). Im Jahre 1709 erbaute sich der Markgraf Karl Wilhelmvon Baden-Durlach inmitten des Hardtwaldes ein kleines Jagdschlößchen 1 8a als sein„Trianon". Ein Jagdturm, der vor der Front des Hauses nach dem Walde zu isoliert er-richtet wurde, gab den Mittelpunkt für 32 Alleen, die ringsum in den Wald gehauenwurden. Auch der Grundriß des Schlosses mußte sich dieser Fürstenlaune unterordnen,die Seitenflügel wurden in der Richtung von zwei Alleen im stumpfen Winkel an denMittelbau gesetzt. Das durch diese Seitenflügel und weitere Nebenbauten umgrenzteKreissegment wurde zu einem Lustgarten angelegt und vorne von Gebäuden für Hof-adel und Beamte, je eines zwischen zwei Alleen, abgeschlossen, in ganz ähnlicher Weiseangeordnet wie in Nymphenburg. Eigenartig bis zur Groteskheit war die hintere Ausge-staltung; hier errichtete man im kleinen Kreise um den Turm jedesmal als Ausgang derAlleen 24 kleine Häuschen, die, abweichend im Grundriß, gleich in der Größe, jedesmalmit einem Sondergärtchen versehen, zu verschiedensten Zwecken: als Brunnenhaus, Bad-haus, Pumpenhaus usw., dienten. Den Platz um den Turm schmückten vier Fontänen,auch in dem von den Strahlenalleen durchschnittenen Massiv des Waldes sind Plätzemit Fontänen ausgespart. Alle solche einzelnen, dem französischen Park entlehnten Mo-tive sind hier bizarr und schematisch durchgeführt. Bald aber gefiel dem Markgrafendieser Aufenthalt besser als das durch den Widerstand der Bürger nur langsamwachsende Residenzschloß in Durlach, und schnell reifte der Entschluß, sich hierfest niederzulassen, so daß man bald zur Ansiedlung warb. Die vorderen Park-wege, die von den Hofbeamtenhäusern ausgingen, wurden zu Straßen der neuenStadt, die nun den Namen Karlsruhe erhielt, umgeschaffen. Die Stadt fügte sich umso lieber in die Nettigkeit, Symmetrie und Ordnung dieses Parkbildes, da sie ein Idealdamals erstrebter Residenzstadtgründungen verkörperte: Einheitlichkeit der Bürger-