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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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206
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Herrenhausen bei Hannover

13. KAP.

sichtigen Hand, die den Garten im XIX. Jahrhundert dort pflegte, wiederhergestelltworden.

Durch die Betonung des Wandergartens, der im allgemeinen eine leichtere, lockerere An-lage verlangt, als sie der französische Garten zuließ, hat England vielleicht schon damalsden Boden für die Revolution des Geschmackes geschaffen, die es nun bald ergreifen sollte.

DEUTSCHLAND

DEUTSCHLAND mußte von der Mitte des XVII. Jahrhunderts an, nach dem Endedes Dreißigjährigen Krieges, fast überall von neuem anfangen. Die Gartenkunstist die Kunst des Friedens, und nur als seltene Ausnahme sahen wir Männer wieWallenstein öder Moritz von Nassau im Kriege selbst, die Waffen in der Hand, das Landals gute Hausväter zu tiefer Friedensarbeit anhalten. Meistens hatte der Krieg nicht nurwüste, volkarme Landstriche gelassen, sondern auch die in Deutschland in der Garten-kunst nie sehr starke Tradition vollends zerschnitten. Doch gerade dieser Umstand ließeine j unge friedenshungrige Generation sich nach Lehrern umschauen, deren Einflüssen siesich mit aller Freude hingeben konnte. Ein wichtiger Faktor aber für das Aufblühen derGartenkunst in Deutschland war das Erstarken der vielen großen und kleinen Fürsten-höfe. Mit dem wachsenden Wohlstande, der in der zweiten Hälfte des XVII. Jahr-hunderts überall einsetzt, fordert ihr Souveränitätsgefühl seinen sichtbaren Ausdruckin der Schöpfung glänzender Residenzen. Den meisten dieser Fürsten, besonders imNorden und Westen, schwebte als leuchtendes Vorbild Versailles vor Augen. Nur ein-zelne, deren Interessen Italien zugeneigt sind, lassen sich auch noch in dieser Zeit vonder alten Kunst jenseits der Alpen inspirieren. Le Nötre aber war der große Name, undals sein Ruhm erst einmal den Rhein überschritten hatte, da galt es als ein höchstesGlück, einen Gartenkünstler zu gewinnen, der irgendwie seine Ausbildung im lebendigenAnschauen der Werke, die Le Nötre schuf, erhalten hatte.

Zu diesen Glücklichen rechnete sich vor allem der Herzog Ernst Johann Friedrichvon Hannover, als er Charbonnier aus der Schule von Le Nötre für die Anlage seinesGartens in Herrenhausen gewann 13 . Der Baumeister des Hauses war Quirini, ein Vene-tianer, der diesem durch zwei einstöckige vorspringende Flügel, deren gerade Dächermit Balustraden versehen sind, auch ein italienisches Aussehen verlieh. Häufig, noch bisin die Mitte des XVIII. Jahrhunderts, findet sich an den kleinen deutschen Höfen die Ver-bindung des italienischen Baumeisters und des französischen Gartenkünstlers, wie sichdenn auch die französische Bauweise in Deutschland später als der Garten und nie dauerndeinbürgerte. Der Herzog war ein äußerst prachtliebender Herr und freute sich des regenkünstlerischen Treibens, das eine Schar von Ausländern, Franzosen und Italiener, anseinen Hof brachte. Doch obgleich die Unterhaltungskosten des Lustgartens im Jahreseines Todes 1679 nahezu sechstausend Taler betrugen, und obgleich sein Nachfolger, dererste Kurfürst Ernst August, die Verschwendung seines Vorgängers lebhaft rügte, wares doch erst dieser, der den Garten um das Doppelte ausdehnte und ihm seine noch heuteziemlich treu bewahrte Gestalt gab (Abb. 451). Auch Herrenhausen gehört zu denGärten, deren Plan Le Nötre geschaffen haben soll; wenn auch hierfür kein Beweis vor-liegt, so darf man wohl an die nahen Beziehungen des hannoveranischen Hofes zumfranzösischen erinnern, die damals sehr lebhaft durch die Korrespondenz der Gemahlin