Druckschrift 
2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
197
Einzelbild herunterladen
 

13. KAP.

Hampton Court unter Karl II.

197

langsam genossen zu werden; über den sonnigen Platz ließ man sich am liebsten tragen,fuhr auf kleinen Wägelchen die breiten Wege bis zu den schattigen Bosketts, wo manwahrlich auch nicht spazieren ging. England auch ganz eigentümlich waren und sindbis zum heutigen Tage die mit Rasen belegten weichen Gartenwege. Die unerreichteSchönheit des Rasens, die England der Feuchtigkeit seines Klimas dankt, hatte ja schonrückwirkend das Rasenparterre ä l'anglaise in Frankreich in Mode gebracht. Im eigenenLande waren natürlich diese Grasparterres oft ein ununterbrochenes Rasenstück, nuran den Rändern mit Blumen oder, der Mode zu Ende des Jahrhunderts gemäß, mitkleinen grünen Bäumen, Statuen und Vasen umsäumt. In England auch waren zuerstdie breiten und oft sehr langen Ballspielalleen mit dichtem haltbaren Rasen bedeckt.Wie wenig andere Länder solch einen Rasen zu halten imstande waren, zeigt die selt-same Umdeutung des Wortesbowling green" in der französischen Gartensprache. ,,Bou-lingrin" war ein Wort, von dem man wohl noch wußte, daß es aus England gekommenwar. Man verstand aber darunter zur Zeit derTheorie et Pratique" ein vertieftes Ra-senstück, das als Mittelpunkt eines Bosketts manchmal einen Brunnen umschloß. Nurden Rasen hatte man, als das Auffallende, behalten, war aber weit davon entfernt, esnoch mit dem eigenen ,,jeu de paume oder maü" zusammenzubringen, das, wenn esunbedeckt war, meist gestampfte Erde als Spielbahn hatte; so leitete man boulingrinspäter von boule = bowl und green, d. h. grüne Höhlung, ab.

Kein Wunder, daß eine Neuerung des französischen Gartenstils in England besonderenAnklang fand: die Anlage von Avenuen. Nicht daß diese großen Richtlinien, die denPark in unmittelbare Verbindung mit dem Garten brachten, eine Erfindung des fran-zösischen Gartenstils waren, wir sahen sie schon zu Ende des XVI. Jahrhunderts im ita-lienischen und spanischen Garten; aber die Regelmäßigkeit, die von einem Punkte,meist der Mittelachse des Gartens, aus nach allen Richtungen hin 35 Alleen durchden Park leitete, häufig mit irgendeinem fernen Kirchturm oder einem Brunnen alspoint de vue, anderseits auch ihre Verwendung als pomphafte Zufahrtsstraßen zumHaupteingange des Schlosses, spricht doch erst stilvoll die großartige Gesinnung desfranzösischen Gartens aus. Unter diesem Einflüsse ließ auch Karl II. in Hampton Courtdie beiden Parks, die von Osten noch immer bis nahe an die Schloßfront heranreichten,von breiten Alleen durchschneiden. Auch den großen Kanal, den Karl gleich nach seinerRückkehr in Angriff nahm, scheint man ursprünglich bis in die Nähe der Ostfrontdes Hauses geführt zu haben; von hier gingen nun ursprünglich die sternförmigenParkalleen aus, aus denen sich später der große Halbzirkelgarten entwickelt hat. Am9. Juni 1662 besucht Evelyn Hampton Court und sieht und erwähnt diese Neuanlageals Verschönerung des Parkes. An den Gärten findet er manche hübsche Einzelheit zuloben, im ganzen aber seien sie viel zu klein er hat also immer noch allein die altenRenaissancegärten an der Südfront vor Augen. Selbst wenn die Anlage des Halbzirkel-gartens wirklich schon im Plane Karls II. gelegen hat 7 , so ist er jedenfalls nicht weitdamit vorgeschritten. Er hatte allerdings den lebhaften Wunsch, von Frankreich nachMöglichkeit zu lernen; deshalb sandte er seinen Gärtner Rose nach Paris, um ihn dortausbilden zu lassen. Ja, Karl hat am französischen Hof anfragen lassen, ob nicht LeNötre selbst zu kurzem Besuch nach England herüberkommen könnte, und Ludwigscheint seinem Gärtner eine etwas zögernde Erlaubnis erteilt zu haben, doch verlautetnichts von einem Aufenthalte desselben in England 7 a .