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Hampton Court unter Wilhelm III. und Marie
13. KAP.
Das beste Verdienst jedoch, den Gärten die heutige Gestalt gegeben zu haben,gehört erst Wilhelm III. und Marie. Beide hatten eine große Vorliebe für HamptonCourt und machten es zu ihrer dauernden Residenz. Christopher Wren, der damalsunbestritten als der größte Baumeister seiner Zeit galt, wurde berufen, um an denalten, schönen Tudorbau, der noch mit seinem Wassergraben umgeben war, nach Osteneinen neuen gewaltigen Palast anzubauen, dessen Stil die nach Versailles gerichtetenBlicke leicht verrät. Mit der neuen Gartenanlage wurden London und Wise, beidesSchüler des in Frankreich ausgebildeten Rose, beauftragt (Abb. 444). Vor dem neu er-richteten Ostflügel wurde nun ein großes, halbzirkelförmiges Stück aus dem Park heraus-geschnitten und als Ziergarten angelegt 8 ; dazu mußten die Alleen, die ja bis zum altenSchlosse reichten, zurückgedrängt werden; man führte dafür Alleen und Kanal um denHalbzirkel außen herum. Das Innere des Halbrundes wurde unter Beibehaltung der aufdas Schloß sternförmig zulaufenden Wege mit Parterres de broderie ausgelegt, mit 13größeren und kleineren Springbrunnen und einer Fülle von Statuen versehen. Dem Hauseentlang wurde ein 2300 Fuß langer Kiesweg, der ganzen Ausdehnung des Hauses samt denSeitenflügeln entsprechend, geführt, der an Stelle der Terrasse dienen mußte. Trotz dergroßartigen Pläne Wilhelms hatte er sich doch zu den kolossalen Erdumgestaltungen,die eine Tieferlegung des Gartens verlangt hätte, wodurch er allein eine Terrasse hätteherstellen können, nicht verstehen mögen. Doch haben den Mangel einer Übersichts-terrasse in Hampton Court Zeitgenossen und spätere Schilderer immer beklagt. DerKiesweg wurde zur Sommerszeit mit einer Reihe herrlicher Orangenbäume besetzt, derenbesondere Pflege als Sinnbild der Oranier schon als halb politische Demonstration von demKönigspaar sehr hoch gehalten wurde. Unterdes'wurden auch die Südgärten umge-staltet. Die kleineren Gärtchen, von denen sich der sogenannte pondgarden (Teichgarten)(Abb. 345) noch heute als ein Stückchen reizvoller Renaissance erhalten hat, wurdendamals als besondere Blumengärten angelegt. Nur in dem größeren, dem sogenanntenPrivatgarten, sperrte hinten nach der Themse zu der einstige Aussichtshügel, mit einemLusthause darauf, jetzt die Aussicht aus dem neuen Flügel Christopher Wrens. Er wurdenun zuerst abgetragen, dann wurden Parterrebeete angelegt, und das hintere Halbrund,auf dem der „mount" gestanden hatte, erhielt als Abschluß Eisengitter mit 12 Toren,die zu dem Schönsten gehören, was diese Kunst hervorgebracht hat. Sie sind ein W T erkdes französischen Meisters Jean Tijon, der auch sonst eine Reihe bedeutender Eisen-arbeiten für England geschaffen hat (Abb. 445). Sie wurden im Jahre 1865, in der Zeitdes größten Tiefstandes aller Gartenkunst, entfernt und in das eben neu gegründeteSouth Kensington Museum überführt, da es dieser Anstalt an Kunstwerken fehlte undman das Publikum langsam in solchen Erziehungsstätten an das Sehen von Kunst-werken gewöhnen mußte. Glücklicherweise hat man vor wenigen Jahren eingesehen,daß solche Werke nur an ihrem bestimmten Platze wirken können, und die Gitterwieder an die alte Stelle gebracht. Einer der intimsten Züge dieses Gartens, die wunder-voll überdeckte Allee, „Queen Mary's bower" genannt, gehört schon einer früherenZeit an, schon Evelyn schildert und bewundert sie.
Die letzte Anlage Wilhelms war die Umwandlung der alten Obstgärten auf der Nord-seite in ein Boskett, eine sogenannte ,,wilderness". Dies ist sehr bezeichnend für die kon-servative Gesinnung, mit der der englische Garten sich auch in dieser Zeit gestaltet.Der Hauptgedanke des französischen Gartens, die Ausgestaltung der Bosketts, „das