12. KAP.
Boskettumgesialtung
159
von Rigaud gestocheneTriumphbogenboskett (Abb. 407). Im Jahre 1678 erhielt Le Xötreeinen längeren Urlaub, um Italien zu bereisen und sich dort neue Anregung zu holen.Le Xötre war damals nicht mehr jung, aber er war von seinem König hochgeehrt, der sichan seinem offenen, freimütigen und kindlich enthusiastischen Wesen freute, und ihn gerneum sich duldete. An seinen Namen, der mit dem europäischen Ruhm von Versailles stieg,haben sich namentlich aus Anlaß dieses Besuches neue Mythen gehängt. Jeder schöneGarten wollte den Ruhm haben, von ihm entworfen zu sein, so wird dies immer vonneuem von der Villa Ludovisi behauptet, die doch damals schon länger als 30 Jahrebestand; Le Nötre hatte zwar schon einmal als jünger Mensch in Italien studiert, da-mals aber wird man wohl schwerlich einem unbekannten Maler ein solches Werk über-tragen haben. Ein Beispiel von der Art des Eindruckes, den Le Nötres kindlich frei-mütiger Charakter auf die Menschen machte, zeigt die Anekdote, daß er währendeiner Audienz bei Innozenz XL so entzückt von dem Papste war, daß er ihn voll Be-geisterung küßte; als man dies am französischen Hofe erfuhr, wollte man es in Lud-wigs Umgebung nicht glauben, der König aber meinte: „Das kann ich mir wohl denken,denn mich hat er oft in Begeisterung geküßt." Le Xötre aber lernte mit offenen Augen,befreundete sich mit italienischen Künstlern, und kam heim voll neuer Ideen, die erhier bald ausgestalten sollte.
Zunächst mußte der Garten von Versailles einen schmerzlichen Verlust erleiden. Dieschöne Grotte, die fast 20 Jahre seine größte Zierde und ein Lieblingsaufenthalt desKönigs gewesen, fiel dem Bau des Xordflügels zum Opfer, man dachte auch nicht mehrdaran, sie an einem anderen Orte neu aufzubauen, der Geschmack an dieser Art Zier,an all dem sehr bunten Muschelwerk, begann in den achtziger Jahren abzunehmen.
Abb. 413
Versailles,
Boskett
Fontaine de la
Renommee
1682
Stich vonI. Silvestre