158
Mansarts Erweiterungsbau
12. KAP.
Abb. 412
Versailles,
Bosheit
L'Isle royal
Stich vonRigaud
intime Garten eines kleinen Schlößchens sein. Le Notres Stil ist hier völlig ausgebildet, derin sanften Terrassen vom Schloß abfallende Mittel- oder Repräsentationsgarten (Abb. 411)endigt in einem großen Wasserspiegel, dem großen Teich, den der Meister schon vor-fand und in die Gestalt des langen Kanals brachte; Bosketts, die den Mittelgarten um-rahmen, sind in Weißbuchen und Weißtannen künstlich angelegt. Vor einem Flügel desSchlosses, dessen Erdgeschoß als Orangerie erbaut war, befand sich jenes von Madamede Sevigne so reizvoll geschilderte Orangenwäldchen, dem das dunkle Boskett zur Seiteals anmutender Kontrast diente.
Durch seine Arbeiten in Clagny hatte sich Mansart beim König empfohlen. Als nunnach 1674 der König mit immer kürzerer Unterbrechung in Versailles wohnte, war esunerläßlich, das Schloß, das jetzt wohl einen Hof zum Sommeraufenthalt aufnehmen,aber keine Regierung beherbergen konnte, zu erweitern. Le Vau war schon 1670 ge-storben, seinen Bau hatten seine Schüler zu Ende geführt, nun bedurfte der König, derniemals Geduld zum Warten hatte, einer jungen, energischen Kraft; so begann dennMansart den Riesenbau der beiden Seitenflügel, der mit ans Unmenschliche grenzenderHast gefördert und durchgeführt wurde. 22000, ja 36000 Arbeiter zählte man. DerKönig wollte von keinem Einhalten wissen, selbst Epidemien sollten die Arbeiten nichtunterbrechen. Madame de Sevigne schreibt, daß man im Oktober 1678 „alle Nächte wieaus einem Krankenhause ganze Karren voll Toter herausgeschafft habe". Le Nötrearbeitete auch unermüdlich am Garten weiter. Neues, immer Neues wollte der Königund seinHof sehen. In den offiziellen Hofberichten wird dieNachricht,,, der König besich-tigte eine wohlgelungene Änderung", zu einerstehenden. Darum mußten, soweit als mög-lich, neue Bosketts eingerichtet werden, wie vor allem das schöne, die Königsinsel genannte(Plan 12): ein sehr großes Bassin, das zwei Bosketts zu einem zusammenfaßte, eine Inselin der Mitte gab ihm den Namen, von einer unendlichen Fülle von Wasserstrahlen wurdees belebt (Abb. 412). Größere Arbeit aber machten die Änderungen, die vom Jahre 1677an allmählich fast alle Bosketts umgestalteten; ja einige sind sogar während der langenRegierung Ludwigs fünfmal umgeändert worden. Zuerst begann man die beiden Bos-ketts zur Seite der Kinderbrunnenallee neu zu gestalten. Es entstand dafür das prächtige,