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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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12. KAP.

Clagny

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diesen sechstägigen Festen den schönsten phantastischen Hintergrund bildeten. Man be-gann Madame de Montespan zu Ehren damit, den Morgenimbiß in ihrem eben voll-endeten Boskett, im Marais, dessen Schönheit mit vielen Blumenvasen von Porzellan undBlumengirlanden noch erhöht war, einzunehmen. Wieder wechselten Opern, Schauspielund Feuerwerk miteinander ab. Vor der Grotte wurde MoliercsMalade imaginaire"aufgeführt, auf dem Kanal fanden große Seeschauspiele statt, und alles übertraf eineFeenbeleuchtung in tiefschwarzer Nacht, in der sämtliche Brunnen, mit bunten Flammenerleuchtet, plötzlich aufsprangen.

Das Jahr 1674 bedeutet für Ludwig XIV. in jeder Beziehung den Höhepunkt seinesLebens. Der König fühlte sich mit seinen 36 Jahren im Vollbesitz seiner Kräfte. SeinerTatenlust und Lebensfreude hatte das Schicksal gleich reiche Erfolge gebracht. Es warsicher keine unberechtigte Überhebung, wenn er in dem Bewußtsein lebte, daß er imMittel- und Brennpunkte aller Kulturinteressen seines Volkes, die zu den unbestrittenersten Europas geworden waren, stand. Jede Opposition, auch die geistige, schwieg injenen Jahren, Ludwig war unbestrittener Monarch und Mäzen. Seine Liebe zu Madamede Montespan gab seinem Wesen den inneren Schwung; sie war die Frau, die ganz demBedürfnis jener Jahre entsprach: schön, stolz, übermütig, spottlustig und geistvoll, eineherrschsüchtige Natur, die nur ihm sich beugte, eine Königin, wie er sie für seine Freu-denfeste brauchte und die ihn auf seinen Kriegszügen mit Sehnsucht nach dem Friedenerfüllte. Nach den Festen von 1674 war es beschlossene Sache, Versailles zur eigent-lichen Residenz zu machen, Paris ward dem König immer unsympathischer. Damals, alsseine Leidenschaft für die Marquise keine Grenzen kannte, beschloß er, ihr ganz in derNähe von Versailles einen Herrschersitz zu schaffen, der nur Versailles nachstehendurfte. In Clagny 20 , einem königlichen Landgut, nordöstlich von Versailles gelegen,waren sie sich nahe genug und doch nicht so offiziell beisammen, wie in Versailles. Am22. Mai überbrachte Colberts Sohn einen Plan, den ein junger, damals noch wenig be-kannter Baumeister, Mansart, entworfen hatte. Der Bescheid des Königs lautete:Ichantworte noch nichts; ich will erst die Gedanken Madame de Montespans darüberhören." Am 12. Juni hieß es dann:Wir billigen ihn alle beide . . . Sie werden ihm alsosogleich folgen und dort, ohne einen Augenblick Zeit zu verlieren, zu arbeiten beginnen.Madame de Montespan hat sehr große Lust, den Garten in diesem Herbste so weit zusehen, daß er bepflanzt werden kann." Und Colbert wußte, daß der König gewöhnt war,daß ihm geleistet wurde, was für andere unmöglich schien, bei seinen Festen wie beisolchen Bauten.

Als im nächsten August 1675 Madame de Sevigne Clagny besucht, schreibt sieihrer Tochter:Wir waren in Clagny: was soll ich Dir sagen? Es ist der Palast der Ar-mida; das Gebäude erhebt sichävued'oeil"; die Gärten sind fertig: Du kennst die Artvon Le Nötre. Er hat ein kleines dunkles Wäldchen stehen gelassen, das sich sehr gutmacht; weiter trifft man auf ein kleines Wäldchen von Orangen in großen Kästen, indem man spazieren geht, es sind dort Alleen, in denen man Schatten findet, und umdie Kästen zu verbergen, sind auf beiden Seiten Hecken in Brusthöhe angebracht,blühend von Tuberosen, Rosen, Jasmin, Nelken. Das ist sicherlich die schönste,überraschendste, entzückendste Neuheit, die man sich ausdenken kann; man liebtdieses Wäldchen sehr" 21 . Natürlich waren Schloß und Garten damals noch nicht fertig;bis alles an Marmorskulpturen, Malereien, Vergoldungen in Haus, Orangerie und