Druckschrift 
2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

12. KAP.

Die Grotte

141

sprechende Schloßgartenseite schon im Jahre 1664 ihr großes Parterre mit seinen Bassinsund schönen Wasserkünsten, von dem in sanfter Neigung zwischen zwei oft geändertenBosketts die Allee mit den anmutigen Kindergruppen zu dem Neptunsbassin herabführt(Abb. 398). Das schönste Schmuckstück aber, das diese Nordseite barg, war eine derfrühsten Arbeiten, die Ludwig XIV. ausführen ließ, die Grotte der Thetis 13 (Abb. 399).Sie lag an der Stelle der heutigen Kapelle und hat später dem Erweiterungsbau desMansartschen Nordflügels des Schlosses weichen müssen. Der Erbauer der Grotte warein Francini, jedenfalls aus der Architektenfamilie, die Maria Medici nach Frankreichberufen hatte. Wir hören von zwei Brüdern Francini, die ihr möglichstes als Wasser-

-

Abb. 398Versailles,Wasserallee undDrachen-brunnen 1676(späteres Nep-tunsbassin)

Stich vonI. Silvestre

architekten taten und alles Wasser, das sie in dieser an Quellen armen Gegend auf-spüren konnten, nutzbar machten. Über der Grotte waren die Hauptreservoire an-gebracht. Von hier wurde es zuerst in der dreiteiligen Grotte zu tausend der für jene Zeitso anmutigen Wasserscherze und Brunnen verwandt. Der Zugang zu der Grotte wardurch cxreH*iegigeTorbogen mltvergordeten Eisentüren geschlossen, auf denen Strahlen,die von einem Sonnenhaupt ausgingen, auf 6 in Medaillons angebrachte Erdkartenniederfielen. Hier nahm der Sonnenkult, den der König in Versailles in immer neuenVariationen mit seiner Person treiben ließ, zuerst seinen Anfang. Über diesen Torensteigt im Relief Helios zu Thetis herab, von Nereiden und Tritonen begrüßt; das In-nere der Grotte, das einen unendlichen Reichtum an Muscheldekoration zeigte, erhieltseinen schönsten Schmuck erst 1675 durch drei Statuengruppen: der ruhende Apoll,von Nymphen geschmückt, und rechts und links die Sonnenrosse, von Tritonen ge-tränkt (Abb. 400).