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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Moritz von Nassau

11. KAP.

Man muß zur Seite der Halle vor das große Vogelhaus treten, um nun die Längsachse desTerrains abzusehen. Auch hier sind die Parterres durch Springbrunnen zusammengehaltenund der Garten hinten in seiner ganzen Breite durch einen großen Wasserspiegel einge-nommen, in dessen Mitte eine Insel lag, auf der vielleicht eine Brunnengruppe den pointde vue gebildet hat. In den arkadenartigen Nischen haben einst Statuen gestanden,von deren Aufstellung die Briefe viel sprechen. Unter andern stand hier noch 1793 einbronzener Herkules. Das Vogelhaus ist ein großes Drahtgebäude, dessen Wände mitallerlei Muschel- und Tropfsteinwerk verkleidet sind, das auch heute noch die Mauer da-neben schmückt. In dem Vogelhause waren nach italienischer Sitte Hecken, Buschwerkund Bäume gepflanzt, in denen die Vögel nisteten, wie im Palazzo Doria in Genua. Inallen Einzelmotiven herrscht deutlich italienischer Einfluß, der um diese Zeit überallzu spüren ist. Baccio di Bianco, der später nach Spanien übersiedelte Gartenkünstler,war eine Zeitlang hier tätig. Aber das ganze Bild der Kleinseite in Prag muß damals inihrem Aufbau einen italienischen Eindruck gemacht haben. Auf der Höhe der köstlicheBau des XVI. Jahrhunderts, das Belvedere, an den Abhängen die Terrassengärten derLobkowitzschen und Fürstenbergschen Palais, bei denen man noch an einzelnen Über-resten von Rampentreppen, Grotten und Pavillons ihre einstige Anlage ahnen kann,endlich in der Ebene das Haus des Fürsten Waldstein.

Eine W'allenstein in mancher Hinsicht ähnliche Natur, die der lange Krieg zumHelden gebildet hatte und der ihr Abenteuerleben doch nur die Lust zur Friedensarbeitdes Bauens und Pflanzens vermehrte, war Moritz von Nassau. Er hat den Krieg freilichüberlebt, und seine Bautätigkeit in Deutschland gehört auch erst der Zeit nach diesemKriege an, doch hatte er schon vorher bewiesen, wie er Krieg und Frieden mit starker Handzusammenhalten konnte. Fabelhaftes erzählt man sich von seiner Tätigkeit als Bauherrin Brasilien, wohin er im Dienste des holländischen Staates geschickt wurde. In der kurzenZeit von sieben Jahren hatte er auf der Stelle des heutigen Pernambuko nicht wenigerals drei große Bauten geschaffen, darunter zwei Paläste, die Freiburg und Boa Vista(Bellevue), die nach den flüchtigen Schilderungen grabenumflossene Paläste, von Türmenflankiert, waren. Brücken führten zu herrlichen Lustgärten, wo wohl ebenso, wie in denBauten, der Einfluß der französischen Renaissance vorgeherrscht haben wird, denenaber die üppige südliche Vegetation einen besonderen Ton verliehen hat. Nach Moritz'Heimkehr nach Europa 1644 verfiel seine Schöpfung. Er aber schuf sich ein neues Feldder Tätigkeit, als er 1647 in den Dienst des Großen Kurfürsten trat. Sein Fürst war wieer ein Held, der sich nur durch Wegräumen der schlimmsten Kriegsgeschäfte ein wenig Luftzu schaffen brauchte, um sich sofort nicht nur mit dem Ausbessern der Kriegsschäden,sondern auch mit der Verschönerung des Landes zu beschäftigen. Darum billigte undunterstützte er mit Freuden die Pläne seines Statthalters, als dieser in seinem Gebietund Dienste, doch mit dem Geiste eines unabhängigen Fürsten, zu bauen begann. WieWallenstein Gitschin, schuf Moritz Cleve aus einem elenden Orte binnen kurzem zu einerblühenden Residenzstadt um. Er legte überall Alleen an, ließ dort, wo er eine Aussicht, aberkeine genügende Erhöhung fand, künstliche Hügel aufschütten, erbaute eine Reihe vonLandsitzen, die nach den Nachrichten starken italienischen Einfluß zeigen, besondersder Lustgarten des sogenannten neuen Tiergartens, der in Terrassen übereinander auf-gebaut war, die mit prächtigen Fontänen geschmückt wurden. Die unterste sprudelte24 Fuß hoch aus dem Schnabel eines schwarzen Adlers, der inmitten eines Bassins stand,

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